Die Reise nach Süden (Verlorene Bezirke)

Eigentlich hätte es ja nur eine schnelle Reparatur sein sollen. Der Kofferraum fiel, wenn es ihm zu kalt war von alleine zu und seit Schnee und Eis meinen Wagen zugesetzt haben wehrte sich der Scheibenwischer ein wenig.

Mein Onkel Hubert, der diese Kleinigkeiten wieder in Ordnung bringen sollte rief mich kurz nachdem er das Auto unter die Lupe genommen hatte an und meinte: „Der Motor ist kaputt“.
In dem Moment erstarrte ich vor Schreck. Ich bin bisher immer nur Diesel gefahren – aber ich kann doch keinen Benziner innerhalb so kurzer Zeit schrotten?
„… der Scheibenwischermotor“ fügte mein Onkel hinzu. Erleichterung. Gerade war keiner lagernd, aber bis morgen würde einer kommen. „Und sonst passt alles?“ „Ja, aber ohne Wischer kannst du im Winter nicht fahren.“
Wenigstens war das nur das kleinere Übel, ein defekter Motor hätte mir gerade noch gefehlt. Am Abend musste ich in die Landeshauptstadt Innsbruck und auf der Rückfahrt nieselte es leicht. Wenn es wirklich nur Dreck gewesen wäre, dann hätte sich der Motor jetzt selbst repariert. Stattdessen fiel er gänzlich aus. Als der Nieselregen vorbei war.
Glück im Unglück.

Innsbruck bei Nacht

Innsbruck bei Nacht

Zumindest konnte ich am kommenden Tag zurück nach Osttirol. In Kufstein hatten wir heiteres Wetter über dem Gefrierpunkt – in den Nachrichten sprach man davon, dass die Felbertauernstraße nur mit Ketten befahrbar sei. Aber sie war offen – das war wichtig. Während die Sonnenstrahlen durch das Fenster lächelten konnte ich nicht ganz begreifen, was sich auf der Südalpenseite abspielte.
Mein Vater rief mich an und erzählte von Schneegestöber und Befürchtung auf über einem Meter Niederschlag im Laufe des Tages.

Kapitel 1: Sonne, Regen und Schnee

Kapitel 1: Sonne, Regen und Schnee

Onkel Toni, der ein Häuschen in St. Stefan im Gailtal besitzt wurde auch etwas unruhig, als im Fernsehen laufend Bilder vom Gefahrengebiet gezeigt wurden. Am Abend sollte es zu regnen beginnen und der Schnee würde an Gewicht zunehmen. Ob das Dach diesem Schwamm standhielt war unklar.
Hubert rief wieder an – der Lieferant hatte den Scheibenwischermotor irgendwohin gebracht. Gerade hätten sie einige andere Betriebe angerufen, aber keiner wusste von dem verschollenen Paket. Damit war mein Geländewagen inklusive Allrad nutzlos. Welch Ironie, dass selbst ein sehr robustes Auto nichts bringt, wenn etwas Banales wie der Scheibenwischer aussetzt.
Die ganze Sache machte mich nervös. Zwar wäre es kein Problem gewesen, bis Montag in Kufstein zu bleiben, doch behagte mir der „verlängerte Urlaub“ nicht. Auch, weil ich gerade einmal für anderthalb Tage gepackt hatte.

_DSC0628_miniAber wenn Toni nach Kärnten fahren würde – käme ich leichter nach Lienz als von Nordtirol. Außerdem könnte ich ihm beim Dachabschaufeln helfen. Sicherheitshalber besorge er sich noch Schneeketten und dann ging es los. Im Radio verlautbarte man, dass der Felbertauern weiterhin nur mit Ketten befahrbar sei. _DSC0629_miniDie Drautalbundesstraße – auch! Der Gailbergsattel war überhaupt gesperrt!
Letzteres war schwerlich vorstellbar. Der Gailberg hatte eine Höhe von 981 Meter! Für einen Alpinisten wie mich ist das nicht einmal eine Berg! Wie kann man den sperren?!
Am Bahnhof Villach war die Lage kaum unter Kontrolle zu halten. Das Bundesheer musste ausrücken um zu helfen. Teilweise fiel der Zugverkehr gänzlich aus.
Bei uns in Kufstein wehte der Föhn und die Sonne ließ eine Frühlingssstimmung aufkommen.

_DSC0630_mini_DSC0634_miniWir entschieden uns für die Tauernautobahn. Bis Villach sollten wir ohne Probleme kommen, ab dann mussten wir eben auf der Bundesstraße fahren.
Immer mehr Details berichtete man im Radio. In meiner Heimat waren bereits drei Täler von der Außenwelt abgeschnitten. Das Villgratental, das Defereggental und das Lesachtal, aus dem ein Teil meiner Familie stammt. In letzterem gingen Lawinen bis in die Talregionen ab und weckten Erinnerungen an Galtür, in dem 1999 Lawinen Stadteile zerstörten. Im Lesachtal kamen zwei Leute um, eine Autofahrerin wurde mitsamt Auto verschüttet, konnte aber lebend geborgen werden.

Felder in Bayern

Felder in Bayern

_DSC0635_miniWir waren inzwischen auf bayrischer Seite, wo machen Felder ausaperten und die Sonne schien. Die Nachrichten wirkten ob diesen bizarren Gegensätzen unglaubwürdig. Mein Onkel sprach davon, dass sich hier auf der Alpennordseite das Wetter öfters drastisch unterschied. Als letztes Jahr Nordösterreich von Fluten gepeinigt wurde, hatten sie im Süden strahlenden Sonnenschein.

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Ich will auch einen Defender... Aber einen angenehmeren!

Ich will auch einen Defender… Aber einen angenehmeren!

Wir erreichten die Grenze zu Salzburg und bald den Pass Lueg. Das Wetter hielt sich trocken, der Altschnee nahm zu. Ganz im Süden konnten wir langsam aber sicher Schneefall sehen. Mir wurde mulmig zumute. Ein Defender überholte uns. Wenn die Teile billiger wären, weniger Sprit fressen täten und dem Fahrer mehr Platz bieten würden, wäre ich auch in so einem unterwegs. Jedoch hat mein Auto andere Vorteile… Die aufgrund nicht funktionstüchtiger Scheibenwischer heute nicht zum Tragen kommen…

_DSC0642_miniAuf einmal winkte ein Polizist am rechten Fahrstreifen herum und ließ ein Dreieck mit „Stau“ aufblinken. Hier??? Keine einzige Schneeflocke hatte die Fahrbahn gesäumt und es gab einen Stau???

Für die LKWs gab es kein Weiterkommen...

Für die LKWs gab es kein Weiterkommen…

Teilweise war das Wetter gar nicht einmal so schlecht

Teilweise war das Wetter gar nicht einmal so schlecht

Doch – wir konnten ohne Weiteres passieren. Der Stau betraf nur LKWs, die am linken Fahrstreifen anhalten mussten – kurz vor dem Tauerntunnel. Neben der Fahrbahn tauchten immer mehr Schilder auf.

Kettenanlegeplatz

Kettenanlegeplatz

„Ketten Anlegeplatz“, Reinigungsplätze für Lastwägen und Überholverbote für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Die Gegenfahrbahn war kaum frequentiert – mich verwunderten die nicht geringe Zahl der Nutzfahrzeuge etwas, die mit beachtlichen Schneemengen an Motorhaube und Anhänger ins gelobte Land ratterten.

LKW-Reinigung

LKW-Reinigung

Kurz vorm Tauerntunnel gab es eine Blasenleerpause und ich unterhielt mich noch kurz mit einer Frau, die rätselnd vor ihrer offenen Motorhaube stand. „Schrecklich“, „Unfassbar“ und „so viel Schnee“ fassen grob ihre Impressionen zusammen.

_DSC0660_miniIn den Radstätter Tauern hingen schon drohende Wolken und ergossen den Schnee in die felsigen Gipfel. Regen setzte ein und die Temperatur fiel. Der Tunnel machte mich noch etwas nervöser. Was würde uns auf der anderen Seite erwarten?

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Es wurde bedrohlicher...

Es wurde bedrohlicher…

Und schließlich das Ende der Nordalpenseite

Und schließlich das Ende der Nordalpenseite

DAS war das Schneegestöber???

DAS war das Schneegestöber???

_DSC0687_miniAls wir nach knapp 6km den Ausgang sahen, fiel gedämpftes Licht ein. Frischer Schnee säumte die Fahrbahnränder und die angezuckerten Bäume gaben dem Ganzen eine weihnachtliche Atmosphäre. DIE PAAR ZENTIMETER haben so ein Chaos verursacht? Toni erkannte gleich an meinem zweifelnden Blick, dass ich die Tauernstrecke erst selten gefahren bin. „Da kommt noch ein Tunnel“ meinte er. _DSC0687_mini
_DSC0689_miniIm Radio sprach man immer mehr von Zugausfällen Richtung Osttirol. Nicht nur das. In manchen Gegenden mussten Stadtteile aufgrund akuter Lawinengefahr evakuiert werden. Man hatte in großen Teilen Osttirols und Kärntens Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen. Die Höchste.

_DSC0693_mini_DSC0696_miniVor dem Katschbergtunnel fiel ein wenig mehr Schnee, aber die Menge hier war nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit.

Hinter dem „Katschi“ offenbarte sich eine andere Welt.

Was würde wohl hier kommen?

Was würde wohl hier kommen?

_DSC0733_mini_DSC0745_miniEin halber Meter Schnee stapelte sich  bereits neben der Autobahn am Pannenstreifen. Kleinere Autobahnabfahrten waren kaum passierbar, da die Räumungsfahrzeuge den ganzen Schnee mit wenig Rücksicht auf die an die Seite schoben.

DAS nenne ich Winter!

DAS nenne ich Winter!

_DSC0708_mini_DSC0723_miniDer Schneefall war gewaltig. Es tauchten erste Kettenpflicht-Schilder auf, jedoch kamen wir zügig voran. Wir passierten die Kärntner Grenze. Fast zynisch lachte uns das Schild an:“Kärnten – Lust am Leben“.

Haiders Vendetta?

Haiders Vendetta?

Mit 4x4 überholt sich's eben leichter...

Mit 4×4 überholt sich’s eben leichter…

Trotz Schneefahrbahn wurden wir einige Male überholt. Was den Fahrern nicht viel brachte… Wenige Kilometer später stand alles.
_DSC0765_miniWarum… Konnte man nicht sagen. Aus Neugier und weil mich diese Sitzerei langsam nervte stieg ich aus und marschierte ein paar Meter. Die leichte Heeresjacke war sehr bald voller Schnee und mir war kalt. Zurück zum Auto, Mantel an, Hut auf und ich startete einen weiteren Versuch.

Stets gerüstet für den Winter

Stets gerüstet für den Winter

_DSC0768_mini_DSC0771_miniErst jetzt wurde mir das Ausmaß des Staus bewusst. Einige Fahrer standen wohl schon länger. Viele waren aus Slowenien, Kroatien oder Deutschland. Manche nutzten die Wartezeit, um ihr Auto mit den Händen vom immer mehr werdenden Schnee zu säubern, einige setzten verbrauchten Flüssigtreibschtoff ab und ein paar gingen wie ich einfach nur herum.

_DSC0773_miniEin Slowene hatte ein sehr interessantes „Kettenmodell“ auf seinem Reifen montiert. Eine Art Netz das über den gesamten Reifen gespannt war.
Aus einem Züricher Auto fragte mich jemand, ob ich denn wisse, was passiert sei – ich verneinte und versprach, es herauszufinden. In einiger Entfernung bewegte sich etwas. Durch den Schneefall konnte ich quer stehendes Lastauto entdecken und, war mir aber sicher, dass das Problem recht bald behoben seit würde und lief wieder nach hinten.

2014-01-31 13.40.21_miniMeine Stiefel leisteten hervorragende Arbeit und hatten einen ordentlich Grip. Reisenden, die mich fragend beobachteten rief ich zu, dass es sogleich weiterginge, worauf sie wieder einstigen – auch dem Schweizer von vorhin konnte ich ein entsprechendes Handzeichen geben. Glücklicherweise erreichte ich Tonis Wagen, bevor die Kolonne sich komplett in Bewegung setzte. Nur wenigen Sekunden später überholten wir den „Übeltäter“.
Ein Autotransporter mit einer Achse – und ohne Schneeketten(!) hatte den Halt verloren und blockierte den Verkehr. Wäre ein Auto neben ihm gewesen, hätte er es womöglich mitgenommen. Ein gefährlicher Leichtsinn.

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Kein Weiterkommen

Kein Weiterkommen

Im Radio mehrten sich die Hinweise auf eine Sperre der Verbindung Spittal-Villach. Mein Onkel hoffte bis zuletzt, dass die Sache noch gelöst werde, bevor wir ankamen. Vergeblich.
Die Auffahrt hatte man vorsorglich gänzlich abgesperrt. Die Abfahrt Spittal füllte sich mehr und mehr mit frustrierten Lenkern, somit hatten wir nur noch Bundesstraße vor uns.
Trotz eher „moderater“ Räumung kamen wir komplikationslos voran und hofften bald wieder auf die Tauernautobahn auffahren zu können, um uns so zur Südautobahn durchzuschlagen und im Gailtal zu landen.

Kapitel 2: Probleme

Kapitel 2: Probleme

_DSC0795_mini_DSC0804_miniDieser Streckenabschnitt zeigte uns erstmals, wie dramatisch die Lage war. Bahnarbeiter versuchten die Gleise frei zu bekommen. Eingeborene befreiten ihre Dächer von der Schneelast und vom Straßendienst stiefmütterlich behandelte Ausfahrten boten höchstens einen Platz zum Steckenbleiben.

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Strategische Nutzlastvernichtung

Strategische Nutzlastvernichtung

Auf Facebook witzelte eine Freundin von mir, dass ihr der Allrad nichts bringe, wenn schon über ein Meter Schnee auf und neben dem Auto läge. Das Gestöber wurde mehr anstatt weniger. Teilweise hatte man nur eine Sicht von ein paar hundert Meter.

Allrad für alle?

Allrad für alle?

Endlich hatten wir es bis zum Kreisverkehr mit der Auffahrt geschafft. Seltsamerweise ging hier überhaupt nichts weiter. Zuerst haderte ich mit dem Aussteigen, doch wir sahen, dass der Kreisverkehr leer war! Weswegen ich wieder aus dem Auto hüpfte und vorpreschte. Was da passierte war unglaublich. Ein LKW schaffte den Anstieg nicht und schob rückwärts nach hinten durch. Ein Einweiser half dabei wieder stürmte ich zurück zum Auto. Nur wenige Sekunden später waren wir bereits in Fahrt und versuchten uns an der Steigung.

Hallo Auto...

Hallo Auto…

Geisterfahrer unterwegs...

Geisterfahrer unterwegs…

Was jetzt kam war noch viel unglaublicher. Gegenverkehr – auf der Auffahrt!
Im ersten Moment fürchtete ich, dass wir ob der Schneemassen aus Versehen die Abfahrt genommen hatten, doch der Fehler lag nicht auf unserer Seite.
Die Auffahrt war blockiert. Was sich oben auf der Autobahn abspielte kann ich mir nur denken. Laut dem Geisterfahrer gab über uns kein Vor und Zurück. Lastwägen ohne Ketten blockierten den gesamten Abschnitt. Mittlerweile bildete sich eine Autoschlange. Toni, der sich mit dem Herrn vorne unterhielt erklärte den Fahrern hinter uns, dass auch wir jetzt umdrehen müssen und die Horde der PKWs schlich rückwärts durch die Einbahn und den Kreisverkehr. Was blieb war wieder einmal die Bundesstraße.

Reiher

Reiher

Vermutlich war das die beste Entscheidung gewesen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn auf der Anhöhe jemand den Halt verloren hätte…

Radio Kärnten war wie die meisten angefressenen Autofahrer auf die Pirsch gegangen, um die „Täter“ dieses Schlamassels ausfindig zu machen. Man sprach mit Brummifahrern, die zwar einen starken Akzent hatten aber vermutlich besser Deutsch konnten als unsereins Serbokroatisch, Bulgarisch oder Türkisch. In „zwei Minuten“ hätte er die Schneeketten montiert meinte ein Logistiker. Warum er es erst tun wollte, nachdem er komplett festgefahren war konnte er nicht beantworten.

_DSC0824_miniKurz vor Villach wollte sich ein anderer Lastwagenfahrer in „Sicherheit“ in eine Raststation begeben aber scheiterte an der Einfahrt. Als Resultat hielt der Sattelschlepper mit seinen zwei Anhängern den ganzen Verkehr auf. Die Exekutive hatte alle Hände voll damit, den Verkehr halbwegs um ihn herumzulotsen.

_DSC0829_mini_DSC0831_miniDer Weg ging über die Tirolerstraße und Judendorf beim Atrio vorbei. Die Lage wurde immer dramatischer. In den Feldern lag über ein Meter Schnee. Verständlich, dass die Bahn den Betrieb des Gailtal-Express’ stoppte. Kurz hinter dem Stadtteil Auen hingen Bäume aus dem Wald, die den Schneemassen nicht widerstehen konnten.

Kapitel 3: Viel Schnee, wenige Probleme

Kapitel 3: Viel Schnee, wenige Probleme

Straße von Villach ins Gailtal

Straße von Villach ins Gailtal

Den Kindern gefällts...

Den Kindern gefällts…

_DSC0843_mini_DSC0845_miniRichtung Nötsch hatten wir Schneefahrbahn mit kaum Räumung. Einige Verrückte überholten uns. Neben der Straße legten Bulgaren ihrem Transporter rostige Ketten an.
In wenigen Kilometern sollten wir St. Stefan erreichen. Fast sechs Stunden waren wir schon auf dem Weg. Mein Magen knurrte etwas und wir hielten bei einem Supermarkt, um Abendessen zu kaufen. Nur eine Kleinigkeit. Rührei und dazu Brot.

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Bushäuschen...

Bushäuschen…

Tante Lisi hatte uns ein paar Brötchen belegt, die ich jetzt noch aß, um etwas Kraft zu erhalten. Kaum war ich fertig, hatten wir unseren Zielort erreicht.

San Stephano

San Stephano

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Onkel Toni und die Einfahrt

Onkel Toni und die Einfahrt

Die Straßen waren mehr schlecht als recht geräumt. Ein Nachbar hatte nur seine Einfahrt schneefrei gehalten, nicht die Einfahrt zu dieser, weswegen wir hier mit der Schaufel erst frei machen mussten. Den letzten Teil der Strecke legte mein Onkel eher rutschend zurück und kam sicher vor seinem Haus an.

_DSC0868_miniSchnell tauschte ich Mantel, Winterhandschuhe und Hut gegen Jacke, Arbeitshandschuhe und Tschako. Toni machte sich daran, den ersten Teil des Daches zu säubern, während ich die Leiter stabil hielt. Kaum war er oben und legte mir einen Platz frei, befreite ich den Weg noch vom Schnee und platzierte die Leiter an einer sichereren Stelle.
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Gemeinsam säuberten wir nach und nach die Vorderseite des Daches. Teilweise konnte ich mich etwas spielen, indem ich den Schneehaufen untertunnelte und so gezielt zum Einsturz brachte. Doch die Schneeschichten verhinderten ein gezieltes Abrutschen meistens. Manchmal ließen sich die Blöcke leichter entfernen, manchmal erfasste mich noch die „Lawine“, als ein Sektor stürzte, in jedem Fall durchdrang das eiskalte Wasser meine Kleidung sofort. Nach etwa einer Stunde hatten wir die eine Dachseite praktisch geräumt und ich holte meine Stirnlampe, da die Dunkelheit einbrach.

Vorher...

Vorher…

Die zweite Dachseite hatte fast zwei Meter Schnee, die Wetterseite tat ihr Übriges. Einige Achtungserfolge gelangen mir mit meiner Lawinentechnik – beim nächsten Mal würde ich aber eine rutschige Folie mitnehmen, um den Prozess effektiver zu gestalten.
Nach einer weiteren Stunde hatten wir das Dach ausreichend gesichtert. Nur noch Restschnee lag darauf. Meine Finger waren leicht unterkühlt und ein etwas zu beherzter Schaufler beförderte neben dem Schnee auch noch die Schaufel über das Dach hinaus. Toni fand das durchaus erheiternd und meinte, dass wir genug getan hätten, er würde noch schnell ein paar Reste beseitigen – und ich könne, wenn ich wolle springen.
Nur sollte ich mich hüten, richtig aufzukommen, da meine Landefläche zwischen Garten- und Verandazaun lag. Die Schaufel lag strategisch gut und ich versuchte so breit wie möglich zu landen. Die Aerodynamik drängte mich wieder in die Vertikale und so endete ich bis zu den Schultern im Schnee, mit den Füßen den Gartenzaun fühlend.

Die Nachbarn hatten es auch nicht besser

Die Nachbarn hatten es auch nicht besser

Das ganze war noch recht lustig, doch als ich heraus wollte war das gar nicht keine triviale Angelegenheit.
Ein Freund meinte einst zu mir, dass eine 10 Zentimeter Schneedecke komplett ausreiche, um ein Lawinenopfer zu töten. Wer noch nie mit Händen und Füßen im Schnee steckte fände das sicher unglaubwürdig. Ich für meinen Teil war schon öfters in einem solchen Tiefschnee und versuchte angestrengt herauszukommen.
Doch unter meinen Füßen bildete sich nur ein Hohlraum, meine Hände konnten sich nirgends aufstützen und zum „schwimmen“ war der Widerstand zu groß.

Toni rief herunter, dass ich die Schaufel verwenden solle. Großartige Idee. Freischaufeln… brachte überhaupt nichts. Dafür war die Schaufel zu groß und der Schnee zu tief.
Doch war die Schaufel mit Stiel breit genug, um mich darauf zu stützen – und stemmte mich mühevoll hoch.
Die Prozedur wiederholte ich zwei Mal und zog mich über den Verandazaun zur Eingangstüre… die verschlossen war. An der Hausseite verdrängte ich mit meinem Körper die Massen, umkreiste das Haus und erreichte den Eingang.
Alles war gänzlich durchnässt. Der wärmende Kachelofen würde hoffentlich alles bis morgen trocknen und ich zog etwas Bequemeres an. Bald kam Toni ebenfalls klatschnass herunter und wir tranken den Tee, den uns Lisi mitgegeben hatte.

Schneeschauflermenü

Schneeschauflermenü

Zum Essen gab es Omelette.
Dabei erzählte mir mein Onkel von seinen Reisen in den Ostblock und in den Irak, die er in den 70er und 80er Jahren unternommen hatte. Damals, so erinnerte er sich war der Irak ein viel sichereres Land als die Türkei. In der Türkei mussten sie in einem Camp übernachten, im Irak war es kein Problem, auf offenem Felde zu biwakieren.

Er hatte irakische Städte bereist, als es zum Irakisch-Iranischen Krieg kam und die Straßen mit Sandsäcken gesichert wurden. Auch erzählte er mir, dass mein Onkel Hubert auch ein paar Mal mitgekommen ist…

Wir hatten gute Arbeit geleistet

Wir hatten gute Arbeit geleistet

_DSC0887_miniDer Schnee ging langsam in Regen über und wir waren froh, dass das Dach sicher war. Ich schlief im Zimmer mit dem Ofen und wachte am nächsten Morgen auf, als es draußen nur noch regnete. Die Nachrichten waren immer noch dieselben. Für mich war interessant, dass es zwischen Spittal und Villach einen Pendelverkehr gab. Von Lienz war keine Rede, nur dass auf den Straßen weiterhin Kettenpflicht herrschte.

Mir fiel etwas ein. Es auf 7 Straßen nach Osttirol.

  1. Drautal (Gailbergsattel (gesperrt) oder über die Bundesstraße durchs Drautal)
  2. Pustertal
  3. Felbertauernstraße
  4. Iselsberg
  5. Lesachtal
  6. Staller Sattel
  7. Klammljoch

Letzteres ist für KFZs generell gesperrt, der Vorletzte nur übern Winter, das Lesachtal während der schweren Schneefälle und die vier ersteren waren derzeit ausschließlich mit Ketten befahrbar. Praktisch war der Bezirk Osttirol, der größer ist als das Bundesland Vorarlberg vom Rest Österreichs abgeschnitten…

Auch mein Onkel prüfte online das Wetter. Die Seite sprach von „Hoffnung“ auf Schnee. Sind die Meteorologen inzwischen Zyniker geworden?

Auf der Seite der Österreichischen Bundesbahnen zeigte man mir an, dass ein Zug nach Lienz verkehre und dieser „pünktlich“ sei. Kein Grund zur Sorge also?
Ich rief bei der Hotline der ÖBB an, die im Moment etwas überlastet war. Nach einigen Minuten Wartezeit begrüßte mich ein Telefonist freundlich.

Die Warnung ist Programm...

Die Warnung ist Programm…

Optimistisch fragte ich, ob ich denn gut nach Lienz komme. Nach Lienz kommt man im Moment überhaupt nicht, versicherte er mir. Wie? Wir unterhielten uns wie die Lage derzeit war. Nach Spittal hatte man einen Pendelverkehr eingerichtet, der durchkommt, aber niemand wisse, wann dieser wo sein würde. Verkehren würde er aber. Auf der Webseite hatte man nur den regulären Fahrplan.
Sollte ich noch einen Tag bleiben müssen…?

Der Kollege am Telefon sah die Verbindungen durch und war überrascht. Gegen Mittag hatte man versucht einen Zug nach Osttirol durchzuschleußen – was gelungen war! Er sähe das auch soeben das erste Mal.
Man wolle derzeit keine sinnlosen Risiken eingehen. Vor Jahren sei ein Zug in Vorarlberg von einer Lawine erfasst worden. Auf seinem Bildschirm flimmerte eine weitere Aktualisierung auf. Es gab einen weiteren Versuch, einen Zug nach Lienz zu bringen. Um 14:56.
Ich lief zu Toni hinaus. Gerade war es 13:40 – er meinte, das müsste locker zu schaffen sein.

Zeitig verließen wir St. Stefan über die inzwischen gut geräumte Straße. Der andauernde Regen hatte sein Übriges getan und wir kamen ausgezeichnet weiter. Auf einigen Dächern schöpften die Kärntner den immer schwerer werdenden Schnee weg.

Kapitel 4: Alleine geht's heim

Kapitel 4: Alleine geht’s heim

In Villach waren die Schneemassen vom Vortag inzwischen zusammengesunken und bildeten eine kompakte Masse. Toni entließ mich am Bahnhof – es sollte nur ein kurzer Abschied sein… In einer Woche würden wir einander wieder sehen.

Bahnhof Villach

Bahnhof Villach

Villach

Villach

Hübsche Mädchen arbeiten bei der Bahn...

Hübsche Mädchen arbeiten bei der Bahn…

Der Bahnhof war voller als gewöhnlich. Einige Züge fielen aus, doch mein Zug nach Lienz war aufgelistet! Halblinks hatten die Bahnen einen Promotion-Stand aufgestellt, der Wurst- und Käsesemmeln und heißen Tee verteilte. Dort erzählte man mir, dass Tags zuvor das Bundesheer hier eingerückt sei, da es hinten und vorne an Räumkapazitäten gefehlt hatte. Verständlich bei diesen Schneemassen! Die Bahnarbeiter wurden zu anderen Streckenteilen geschickt, um dort den Betrieb aufrecht zu erhalten. Villach geriet dadurch in eine gewisse Notlage.

Niemals in Notlage... Ich

Niemals in Notlage… Ich

Diese Ehrlichkeit überraschte mich positiv- man überreichte mir Essen und Trinken und ich verschwand zum Bahnsteig 5DF, an dem gerade mein Zug einfuhr.

Elend im Zug

Elend im Zug

Eigentlich erwartete ich ein größeres Elend im Zug, doch nur verhältnismäßig wenige Passagiere fanden sich ein. In Spittal mussten wir den Zug wechseln und hatten eine halbe Stunde Wartezeit bis der andere Zug ankam. Dann ging es auf der einspurigen Fahrbahn in den verlorenen Bezirk Osttirol.

Spittal

Spittal

Die Spur war wirklich gerade noch ausreichend. Mehr als ein Zug würde die Route nicht schaffen.
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Isel

Isel

Heimweg

Heimweg

In den Abendstunden konnte ich mir das erste Mal ein Bild der Stadt machen. Alle Gebäude hatten Warnschilder mit „Vorsicht Dachlawine“ und einer inflationären Anzahl an Ausrufezeichen. Vor der Bank Austria-Filiale stand die Feuerwehr mit Blaulicht. Und ich..? Ich verzichtete auf die Gehsteige und schritt inmitten der Straßen nachhause…

Ein paar Schneeflocken und wir sind wieder in der Steinzeit

Ein paar Schneeflocken und wir sind wieder in der Steinzeit

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Polnische Liebesgeschichte(n)

Meine Tage in Angerburg, Masuren neigten sich dem Ende zu. Meinen letzten ganzen Tag habe ich damit verbracht, mir Anlagen vor und aus dem letzten Weltkrieg anzusehen und die Tour mit der Wolfsschanze abgeschlossen.

Als die Nacht langsam hereinbrach, beschloss ich, anstatt des direkten Weges retour eine Route über die Brücke zw. Mauersee und Darginsee zu nehmen. In diesem Gebiet hatte ich Tage zuvor ein kleines “Abenteuer” erlebt und wollte die Nostalgie noch einmal hochkommen lassen.

Die Brücke hatte ich passiert und gleich dahinter lag ein kleiner Parkplatz, an dem ich mein Auto abstellte. So hatte ich zwar um die hundert Meter zu marschieren, aber das ging schon.

Kurz, bevor ich die höchste Stelle der Brücke erreicht hatte fuhr ein Auto an mir vorbei und hielt ebendort. Nun ja, Fotos machen schön und gut, aber man sollte dabei nicht die Wege anderer blockieren dachte ich bei mir und schritt voran.

Der Fahrer stieg aus und öffnete die Motorhaube seines Gefährts. Er machte nicht den Eindruck, als ob er wisse, was er da tue und ich fragte: “Czy wszystko Oczywiście?”

So ganz verstand er nicht und ich versuchte zu wiederholen. Es gelang nicht wirklich. Als Nichtpole kann man einmal versuchen:

“Tschy wschystko Otschywischtschie”

Auszusprechen. Somit bleib es bei einem “Everything alright?” und er bejahte. Ich ging meines Weges und fotografierte den Darginsee vor mir:

Darginsee

Darginsee

Als ich die Straße überqueren wollte, um die Ausläufer des Mauersees zu erwischen, fragte mich der Kollege, ob ich vielleicht ein Foto von ihm und seiner Freundin machen könne.

Etwas widerwillig sagte ich zu.

Das Mädchen stieg aus dem Auto aus und beide platzierten sich vor mir, im Hintergrund Regen und der mächtige Darginsee.

Also wartete ich, bis beide in die Linse lächelten. Wie immer eben.

Diesmal nicht.

Plötzlich zog er eine kleine schwarze Box aus seiner Jacke und…

Heiratsantrag auf Polnisch

Heiratsantrag auf Polnisch

Ohmeingott!

Machte ihr einen Heiratsantrag.

Ich war gänzlich perplex. Fotografierte aber weiter. Ich fotografierte weiter und hoffte, ein paar gute Schnappschüsse zu bekommen.

Wie man auf einen Heiratsantrag reagiert

Wie man auf einen Heiratsantrag reagiert

Der Ring passt...

Der Ring passt…

Sie lachte auch auf und das Spektakel vorbei war tauschten wir die Adressen aus, damit er auch ja meine Fotos bekomme. Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd, als hätte man mir gerade einen Antrag gemacht und wollte ihnen noch etwas auf Polnisch wünschen.

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Auf Polnisch konnte ich im Moment nicht denken und jauchzte ein “Massel Tov”! Die Mauerseevorläufer knipste ich noch ab und winkte den beiden nach, als sie in die dunkle, nasse, polnische Nacht fuhren…

 

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Tikvah/Hoffnung

von Mario J. Schwaiger

„Welcher Zukunft wären wir mit einem siegreichen Proletariat entgegengegangen, und wo hätte die fortschreitende Revolution ihren Ruhepunkt gefunden mit all dem Zündstoff, der uns umgab, mit all dem Hass, den man heraufbeschwören, mit den verderblichen Lehren, die man in die beschränkten Köpfe der Massen geschleudert hat? Heute galt der Hass noch der Regierungskaste, dem Präsidenten; morgen wäre jeder Bürger, der einen guten Rock trägt und behaglich wohnt und lebt in den Augen des darbenden Proletariats ein Regimetreuer, ein Feind gewesen. Nichts ist täuschender, als der Glaube, dem Glanz einer Revolution da Halt gebieten zu können, wo man es eben wünscht.

In einem Lande, in welchem die Idee der Stetigkeit, der Unbeweglichkeit lange auf den Geistern gelastet hat, wird das Werk der Revolution ein leichtes. Die Disziplin war alles; man verwirft sie, man überlässt sich ganz dem Wellenschlage des Zufalls, er soll zu neuen Ufern führen. Das war der Fall in unserem Staate, man bewegte sich, lief zerstörte, der Zweck war unbewusst, die Geister unbedeutend, und so war das Treiben der Massen allein von gewaltigem Interesse.“

Jetzt ohne Kontext ist dieser Ausschnitt aus einem Artikel vielleicht etwas mühselig zuzuordnen. Er ist recht „eigenwillig“ verfasst und könnte möglicherweise die Zukunft der syrischen Revolution thematisieren. Oder womöglich ein verworfenes Fragment eines Artikels zum Arabischen Frühling in Ägypten sein?

Bei weitem nicht. Dieser Artikel stammt aus dem Jahre 1848 und wurde von Leopold Landsteiner zur Österreichischen Revolution für die „Neue Freie Presse“ verfasst.

Ich musste jedoch zwei Bezeichnungen der Zeit anpassen:

der Regierungskaste, dem Präsidenten = dem Hofe, der Kamarilla

Regimetreuer = Aristrokrat

Die Fähigkeit zur Analyse des Geschehens des Herrn Landsteiner ist atemberaubend und genau diese vermisse ich heute schmerzlich in vielen Artikeln der heutigen Zeit. Eben jenes Element, das einen generischen Artikel von einem Zeitlosen unterscheidet.

In meinem letzten Beitrag habe ich die Einleitung dazu verfasst, wie Israel den Nahen Osten beeinflusst hat, ohne auf Probleme eingegangen zu sein, die ohnehin von allem möglichen und unmöglichen Journalisten generiert werden.

Schimon Perez meinte in „Arbeit für den Frieden“ (S177) auf die Frage von Robert Littell, wie er Yitzhak Rabins Zitat „Für Israel gibt es keinen schmerzlosen Weg nach vorne“ – das er kurz vor seiner Ermordung getätigt hatte – sehe: „Eine Mutter gebiert ihr Kind nach neuen Monaten. Die Geburt einer Nation dagegen dauert Jahre und Jahre. Die Geburt ist ein schmerzhafter Prozeß. […] Israel ist noch kein fertiges Land. Kein vollendetes Land.“

Perez’ Zitat hat mit Landsteiners Artikel gemeinsam, dass es ein zeitloser Aphorismus ist, den er auf Israel bezogen hat, der sich aber speziell jetzt in der Zeit des immer noch andauernden arabischen Frühlings auch auf alle „neu gegründeten“ arabischen Staaten beziehen kann.

Doch was war jetzt das Neue, das Israel gebracht hatte, was es von den bereits bestehenden Staaten unterscheiden hat? Was unterscheidet Israel 1948 von Österreich 1848 und den Arabischen Staaten im Jetzt?

Hoffnung statt Hass.

Oscar Wilde meinte einst in seiner pointierten Art, dass Die Revolution ist die erfolgreiche Anstrengung sei, eine schlechte Regierung loszuwerden und eine schlechtere zu errichten.

Galt 1948 die Hoffnung, dass aus den Erinnerungen von 2000 Jahren wieder ein Land werde, so galt 1848 und gilt heute viel mehr der Hass auf das Bestehende. Wo wird die fortschreitende Revolution ihren Ruhepunkt finden, mit all dem Zündstoff, der sie umgibt, mit all dem Hass, den man heraufbeschwören, mit den verderblichen Lehren, die man in die beschränkten Köpfe der Massen geschleudert hat?

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Der Touchscreen-Täter (3)

Das ergab alles keinen Sinn.

„OK, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Messfehler vorliegt?“
„Gleich 0, wir haben inzwischen acht Teile der Leiche gefunden, die jeweils separat ausgewertet wurden. In der Wohnung ist auch genug gefunden worden und dann sind dann noch die Ergebnisse vom Fall Yussef A.“
„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Penner, der damals die Leiche womöglich berührt hat jetzt bei einer Putzfirma arbeitet und von Ernst umgebracht wurde“ – als ich diesen Gedanken aussprach war mir bewusst, dass eine Antwort darauf nichts an der Tatsache änderte, dass neben der Wahrscheinlichkeitstheorie auch der gesunde Hausverstand gegen mich arbeitete.

„Gibt es sonst irgendetwas Neues“, klammerte ich mich weiter an alles, was vorhanden war.

„Ja“ entgegnete Karo, jedoch konnte ich ihrem Gesicht ablesen, dass uns das nicht weiterhelfen würde.

„Die ‘Hinterbliebenen’ von Glock wurden befragt“

Ich blickte auf.

„Die Meisten haben eine Postkarte bekommen oder wurden per E-Mail kontaktiert“
„Und sein Bruder?“ fragte ich.
„Sein Bruder?“ schaute mich Karo an „Ich wusste nicht, dass er einen Bruder hat“
„Überleg doch einmal: Wenn er einen Bruder hat, der die Wohnung teilweise bezogen hat und jetzt umgebracht wurde… Dann passt das mit den Ergebnissen des DNS-Tests zusammen“

Karo schaute mich ungläubig an, nahm die Akte zur Hand und blätterte durch die befragten Familienmitglieder.

„Er hat keinen Bruder“ meinte sie emotionslos zu mir.

Verdammt. Schon wieder hatte ich daneben gegriffen.

„Gut“ resümierte ich „… Wir haben immer etwas, das nicht hineinpasst, oder?
Zuerst hatte der Artikel nicht gepasst, der ergibt jetzt Sinn.
Dann hatte es nicht gepasst, dass Glock noch am Leben war, das ist er aber.
Jetzt passt die Leiche nicht mehr, die ist aber auch eine Tatsache, die sich nicht wegleugnen lässt“

Karo nickte.

„Was…“, holte ich aus „wenn wir wirklich davon ausgehen, dass eine dieser Entitäten unwahr ist?”

und ich holte weiter aus
“Angenommen, der Artikel ist gefälscht. Irgendein Jungjournalist oder Künstler hat in Glocks Namen publiziert?“

„Aber die E-Mail-Adresse?“, warf Karo ein.

„Wenn wir nur nach der E-Mail-Adresse gehen, sende ich mir 10x täglich Viagra-Werbung selbst zu“
„Bitte?“
„Es ist möglich eine E-Mail-Adresse zu fälschen, genauso wie es möglich ist, auf einen Brief einen anderen Absender draufzuschreiben. Spam-Verteiler machen das häufig, da läuft einfach ein Suchroboter durch das Internet, sucht nach Mail-Adressen und ‘schreibt’ diese als Absender zum Mail, um einen sonst offensichtlichen Betrugsversuch ‘koscher’ aussehen zu lassen.

Wir gehen jetzt davon aus, dass der Artikel eine Fälschung war. Was würde sich ändern?“
„Nichts, Glock ist dann einfach so von Österreich nach Frankreich gezogen und schreibt dort an seinem Buch“
„Genau, es könnte purer Zufall sein, dass beide Geschehnisse unabhängig voneinander passiert sind, oder aber… Es war inszeniert.

Schauen wir uns das nächste unpassende Teil im Puzzle an. Die Leiche“
„Das habe ich dir schon gesagt, nach allem, was wir derzeit wissen ist der Tote Glock“
„Sicher?“
„99,999999 usw. % Das ist eine einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung. Alle Beweise sprechen dafür, wir müssten uns über 10 Mal vermessen haben.“
„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für falsch-positiv?“
„Etwa 0,01%“
„Das heißt 1 in 100 Fällen und das gleich 10 Mal, das multipliziert sich zu stark, wir können davon ausgehen, dass die Leiche echt ist“
„Das heißt“ blickte sie mich an.
„Angenommen, das war nicht Glock am Telefon“

Karo war fassungslos, ich hing auch etwas in der Luft.

„Er konnte sich doch ausweisen“ versuchte sie ein letztes Mal einzulenken.

„Tote wehren sich nicht, wenn man ihnen den Pass wegnimmt und die Franzosen konnten ihn nicht befragen, weil er kein Französisch konnte. Ich rufe Patrice an, die Kollegen in Frankreich sollen ihn dingfest machen.“
„Der ist doch schon längst über alle Berge, wir waren zu langsam“
„Ich gebe nicht auf, wir lassen die Mobilfunknummer orten. Im besten Fall hat der sein Mobilgerät nur abgeschaltet. Und du – finde heraus, ob Glock noch ein Tablet hatte, in den meisten Fällen haben die eine SIM-Karte für Internet dabei, oder GPS, wir heben das aus?“
„Wozu?“
„Wenn er das bei sich hatte, dann finden wir seine Spur – und womöglich auch einen Mittäter“

Wir schwärmten aus, Patrice tätigte seinen Anruf und ich meldete mich inzwischen bei der Zeitung, die Glock’s Artikel gedruckt hatte. Mit etwas Glück fanden sich im ‘Kopf’ des Mails noch Daten, die Rückschlüsse auf seinen Aufenthaltsort ziehen lassen.

Patrice kam wenig später mit der bereits erwarteten, negativen Nachricht zurück. “Phantom-Glock” war bereits geflohen, in seinem Haus war die Spurensicherung in vollem Gange und per Mobilgerät war er nicht erreichbar. Er konnte überall sein.

Bei mir hingegen bestätigte sich meine Theorie. Das Mail war, sofern die Datenauswertung korrekt ablief in Österreich versandt worden. Damit gab es einen Komplizen und den sollten wir finden.

Auch was das Tablet betraf hatte ich richtig geraten. Glock war im Besitz eines Tablet-Computers, dessen Bewegungen wir noch rückverfolgen konnten.

Kapitel 7: Die Achse Salzburg-Budapest

Die Telekom sandte mir sein Bewegungsprofil auf mein Mobilgerät. Vor etwa einer Woche war Glock in Linz, das war das auffälligste Ereignis. Ebenso schien er sich jetzt dort aufzuhalten und bis auf ein paar Meter war sein Ort nachverfolgbar.

„Auf nach Linz!“ rief ich Karo zu und wir fuhren ab. Selbstverständlich hatten wir bereits unsere Kollegen vor Ort alarmiert, die das Gebäude untersuchen sollten.

Als wir ankamen standen wir vor einem mittelgroßen Wohnblock, vor dem einige Polizisten bereits auf uns warteten. Ich begrüßte Sandor, den Kommissar der dortigen Kripo, die die Arbeit bereits erledigt hatten.

„Wie schaut’s aus? Habt ihr was gefunden?“
„Unsere Leute haben das Haus fast durch. Bis auf zwei Wohnungen konnten wir nirgendwo Hinweise finden“
„Was ist mit diesen beiden?“ wollte ich wissen
„Da ist gerade keiner daheim, ein Team von Spezialisten öffnet gerade die Türe“

Wir stiegen hoch und blieben zunächst vor einer Türe stehen, auf dessen Türe der Name B. Klaus prangte. Die Exekutive vor Ort hatte gerade das Schloss geöffnet, als auch der Vermieter auftauchte, der alles kritisch beäugte.

Als ich seinen Blick sah, meinte ich zu ihm, ob denn alles in Ordnung sei.

Er dachte kurz nach, fuhr sich durch die Haare und nahm eine Liste aus seiner Aktentasche.

„Der Name stimmt nicht“ meinte er unzufrieden. Ich sah auf die Liste und erblickte dort an der Apartmentnummer nicht B. Klaus, sondern einen gewissen Mihail Mohacsi.

Noch bevor ich fragen konnte, ob er eine Antwort dafür hätte, hörte ich Karo, die bereits in die Wohnung eingedrungen war rufen, ich solle herkommen. Während ein paar Polizisten noch die verbleibenden Räumlichkeiten sicherten war sie im Wohnzimmer und inspizierte eine Blutlacke, die sich über den halben Boden ausbreitete. Damit hatten wir den Tatort gefunden. In der Küche, die direkt neben dem Wohnzimmer gelegen war befanden sich ein paar Blutflecken auf den Kühlschrank. Ich pfiff einen Beamten, der gerade von der Sicherung des Schlafzimmers zurückgekommen war her und wies ihn an, Fingerabdrücke zu nehmen.

Mit Handschuhen öffnete ich vorsichtig das Gefrierfach und machte einen grausigen Fund.

Der Kopf von Glock prangte vor mir. Es war ein widerlicher Anblick und ich musste mich erst fangen. Karo hatte meinen Schritt zurück bemerkt und sagte, dass für sie jetzt eine Diskrepanz Sinn ergebe.

“Wie?” blinzelte ich sie an, immer noch leicht taumelnd.

„Ist dir das nicht aufgefallen? Binnen zwei Tagen hätten die Täter Glocks Wohnung säubern, einen Brief an die Zeitung schicken und nach Frankreich fliehen müssen, wo noch ein Haus anzumieten war.“

Mir war nicht so ganz klar, worauf sie hinauswollte.

„Das kostet alles Zeit. Eine Leiche zersägen geht nicht so schnell, das kann man nicht ‘nebenbei’ machen. Ebenso muss ein Flug gebucht und ein Haus gefunden werden. Dazu kommt auch immer noch ein Mailverkehr mit der Zeitung. Glock ist schon einige Tage länger tot, die haben ihn tiefgekühlt und dann abtransportiert. Dadurch wurde der Todeszeitpunkt verfälscht und selbst wenn der Vermieter die Wohnung kontrolliert hätte, hätten sie Zeit gewonnen, da man Glock so schnell keine Fährte nach Linz zuweisen hätte können.“

Ein kleines, aber feines Detail, ich hätte das gar nicht bemekert.

„Gut, wir jagen diesen Mohacsi!“

Jetzt ergab auch das Bewegungsprofil, das mir die Telekom zugesandt hatte mehr Sinn. Glock „verbrachte“ einige Tage in Linz und „pendelte“ dann immer wieder nach Salzburg. Und jetzt war er… Richtung Niederösterreich unterwegs, wie ich sehe höchstwahrscheinlich mit dem Zug.

„Moment“ stockte ich.

„Was ist?“ sah mich Karo an.

„Das letzte Tracking liegt 10 Minuten zurück und ich habe gerade keine Internetverbindung“

Karo und Sandor sahen auf ihre Mobilgeräte. „Hast du Empfang?“ richtete der Kommissar aus Linz zu Karo „Nein“. Ich sah die Polizisten an, die eifrig Spuren sicherten.

Mir fiel auf, dass der sonst so omnipräsente Polizeifunk seit ein paar Minuten still war. Auch die anderen Beamten hatten keinen Empfang.

„Liegt das an der Wohnung?“ rief ich dem Vermieter zu, der kreidebleich an der Tür lehnte. Er sah auf sein Gerät und verneinte, stockte aber dann auch.

„Wenn sogar der Polizeifunk gestört ist… Dann stimmt hier was nicht, komm Karo, wir gehen raus“

Draußen bildete sich inzwischen mehr Verkehr, einige Leute hielten ihre Tablets, Datenbrillen oder Mobiltelefone in die Luft und starrten etwas unwirsch in die Gegend.

„Das ist was Größeres, wir können niemanden erreichen, der den Zug anhält“ schnaufte ich Karo zu. Plötzlich wurde mir etwas klar „Der Name! Das ist doch ein Ungar!“
„Na und? Was ändert das?“ schaute mich Karo an.
„Liest du denn keine Zeitung? Seit Jahren verschließt sich Ungarn schon mehr und mehr…“
„Komm zum Punkt!“
„Heute um Punkt 8 werden die Grenzen dicht gemacht. Die Zusammenarbeit mit der Polizei klappt schon jetzt immer schlechter. Die schotten sich ab, wenn Mohacsi heute vor 8 die Grenze passieren kann artet das von einem Mordfall zu einer diplomatischen Scheißerei aus!“

Ich schaute auf meine analoge Uhr, die nach wie vor ihren Dienst tat. „Es ist jetzt 16:12. Nach Budapest fahren kaum noch Züge von Wien, seit es wieder Grenzkontrollen gibt, das heißt, der nächste wird wahrscheinlich der letzte sein. Wir fangen ihn in Sankt Pölten ab, mit dem Auto schaffen wir das“

Mit jedem Satz sprach ich unmerklich lauter. Nicht aus Nervosität. Auf den Straßen hatte sich eine kleinere Massenkarambolage gebildet und das Hupen nahm zu.

„Das ist jetzt nicht wahr“ überfiel es mich. Die Ampeln funktionierten nicht mehr, die Rush-Hour begann. Chaos.

„Lauf“ rief ich Karo zu, „zum Bahnhof!“

Und wir sprinteten los.

Ja, wird sich der geneigte Leser denken, während wir ‘gen Bahnhof stürmten… Gibt doch Festnetz? Nun ja, schon in der Vergangenheit, also seit 2014 zeichnete sich mehr und mehr ab, dass Telefonzellen immer weniger Verwendung fanden. Sicher, ganz verschwinden werden sie nie, aber die Funktionsweise hatte sich geändert. Der Mobilfunk wurde immer erschwinglicher, bis 2016 die Kabel nur noch zum „In-Der-Erde-Vergammeln“ benutzt wurden, sollte einmal ein Notfall sein oder ein Krieg ausbrechen. Das war jetzt zwar der Fall, jedoch vermutete ich, dass die Telekom gerade andere Probleme hatte, als verrottende Telefonleitungen wieder zu aktivieren.

Wir fetzten dahin. Den Weg zum Bahnhof hatte ich im Kopf, aber nach einigen Kilometern nahmen wir beide deutlich an Tempo ab und keuchten. „Was bist du denn für ein Polizist?“ schnaufte mich Karo an, die zwar etwas besser, aber nicht merklich als ich dastand.

„Ich bin Kommissar! Und kein Krimistar – normalerweise hocke ich im Büro und prüfe Akten. Dass wir beide einmal rauskommen ist doch nicht alltäglich! Das Beamte wie wir in so einer Situation landen, passiert nur in unrealistischen Kriminalromanen und Serien!“

Gerade kam ein Jugendlicher mit Fahrrad auf uns zu. Tief durchatmen, dann wirke ich nicht so fertig.

„Halt (schnauf!)! Drogenfahndung! Und nach illegaler Musik am Handy (keuch!)“. Der Kerl schaute mich verdutzt an. „Absteigen“… brachte ich noch halbwegs gut heraus und hielt ihm meine Dienstmarke hin.

„Ich sehe schon…“ musterte ich seinen Drahtesel. „So ein Fahrrad wie deines wurde vor ein paar Wochen zum Drogentransport verwendet. Wo hast du das her?“
„Des hab i… mir vor an halben Jahr aufn Flohmarkt ‘kauft“
„Ist es auf dich registriert?“
„Ahh… Naa…“
„Na also. Tut mir Leid, wir müssen das nach Drogenspuren untersuchen. Gib mir deine Daten und du kannst es morgen bei einer Polizeistelle abholen“
„Aber…“ protestierte er.
„Du kennst das Gesetz“

Jaja, unsere Nationalisten in der Regierung hatten den Drogenkonsum mehr und mehr kriminalisiert anstatt nach Lösungen zu suchen. Jetzt hatten wir rigorose Gesetze, die aber in kompletten Unverständnis seitens der Bevölkerung mündeten, nachdem mehr und mehr Zeitungen gegen die zunehmende Kriminalisierung von Endkonsumenten protestiert hatten und sich somit eine gewisse Unsicherheit diesbezüglich im Lande breitmachte.

Er gab auf. Ich scannte seinen Personalausweis und bestieg das Rad.

„Karo, spring auf den Gepäcksträger. Du hast doch… ääääh. Eine Schusswunde am Fuß“

An ihrem Blick konnte ich ablesen, wie sehr ihr widerstrebte, was ich tat. Nur wusste sie auch, dass die Alternative womöglich das Freikommen eines Mörders war.

Inzwischen hatte ich wieder etwas Luft und trat in die Pedale wie noch nie zuvor in meinem Leben. Am Bahnhof wies ich den erstbesten Sicherheitsbeamten unter Zeigen meiner Marke an, er solle das Fahrrad doch irgendwo verstauen und sprintete Karo nach, die inzwischen den Bahnsteig mit dem Zug nach Wien ausfindig gemacht hatte.

„Achtung, Bahnsteig 7! EC 791 nach Budapest fährt ab!“ schallte es aus den Lautsprechern.

„30 Sekunden noch“ brüllte ich, als ich auf der Anzeigetafel die Uhrzeit erspähte.

20 Sekunden als wir Bahnsteig 7 erreichten, 10 Sekunden, als wir die Treppe hinaufliefen und die Türen schlossen sich gerade, als ich mit meinem Arm dazwischen fuhr und sie noch einmal aufstemmte. Karo sprang hinein, der Zug bewegte sich und ich hing noch leicht in der Luft, als sie mir auch noch hineinhalf.

Wir beide waren komplett verschwitzt und grinsten uns an.

Tatsächlich hatten wir es geschafft, rechtzeitig in den Zug zu kommen. Trotz des Totalausfalls des Funknetzes fuhren die Züge, obgleich die Leute auch hier verzweifelt telefonieren wollten.

Mein erster Weg war der zum Schaffner, der es sich in seinem Dienstabteil gemütlich gemacht hatte.

„Wissen Sie zufällig, wann der letzte Zug von Linz nach Budapest gegangen ist?“
„Von Linz ist das der um 12:45 gewesen“
„Und von Wien?“
„Mei, Sie fragen Sachen, lassens mi nachschaun“ und er holte einen Fahrplan aus Papier aus seiner Tasche „also, da hamma an um 15:10, an um 16:30 und der nächste is eh der jetztige, der umma 18:10 abgeht“
„Danke“

„Wir schaffen das“ lächelte ich Karo zu. Den 1630er wird er, wenn ich richtig gerechnet habe um etwa eine halbe Stunde verpasst haben und muss diesen hier nehmen!“

Unser nächster Weg war zum Lokführer, dem wir unser Anliegen schilderten. Dieser Zug würde heute nicht eher von Wien abfahren, bis wir Mohacsi hatten.

Ich vermutete einen österreichweiten Ausfall des Mobilfunknetzes, war mir aber noch nicht im Klaren, wie sehr ich hier die Dimensionen unterschätzt hätte. Ob in Wien schon Verstärkung am Bahnhof bereit stand, konnte ich nicht sagen, das hing davon ab, ob es die Kollegen in Linz geschafft hatten, zu einer Polizeistation zu kommen oder nicht und wenn, wie lange man in Wien brauchen würde.

Wir fanden ein freies Plätzchen und machten es uns gemütlich und diskutierten unser weiteres Vorgehen.

Kapitel 8: En fin

Kurz vor Wien bezogen Karo und ich unsere Positionen. Ich wartete am einen Zugende, sie am Anderen. Der Zug hielt und fast alle Reisenden stiegen hier aus. In Wien sah man am Bahnsteig nur eine kleine Menschenmenge. Ein paar Geschäftsleute, ein paar weinende Familien und ein paar Abenteurer. Die Exekutive hatte es nicht rechtzeitig geschafft, oder Mohacsi wurde schon verhaftet, ich konnte außer ein paar gestressten privaten Sicherheitskräften nichts erkennen, was auf unsere Leute hindeutete.

Als sich der Bahnsteig leerte und die Uhr 18:10 schlug, wurden die Türen verriegelt.

Stunde 0. Karo filzte den Zug von der einen, ich von der anderen Seite.

„Jó estet kiwanok“ fälschte ich einen ungarischen Grenzbeamten „Passport bitteschön“ und bat den ersten Reisenden, einen Familienvater mir seinen Ausweis zu zeigen. Ein gewisser Ferenc Nochirgendwas. Mit einem „Köszönöm“ bedankte ich mich und ging weiter. Einer nach dem Anderen. Teilweise machte sich Nervosität breit, da wir schon 10 Minuten standen. Ich kam weitaus langsamer voran, als ich hoffte und womöglich galt das auch für meine Kollegin.

Der Schaffner stand draußen und sicherte den Bahnsteig mit den Kräften der ÖBB.

Gerade betrat ich meinen dritten Waggon, als im mittleren Teil ein Mann, Mitte Vierzig aufstand und sich auf dem Weg Richtung Abort machte. Als er nach einem kurzen Blick über seine Schulter feststellte, dass ich ihm folgte, erhöhte er sein Schritttempo. Dem tat ich es gleich. Ihm war das Treiben am Bahnsteig offensichtlich nicht verborgen geblieben und er drehte zu der Türe, die nicht in Richtung Perron ging.

Ich griff nach der Zugtüre und erschrak. Die Türnotentriegelung war „stärker“ als die Sperre des Zuges! Na logisch. Und da lief er auch schon auf der schottrigen Zugpiste. Ich kam nicht viel schneller voran als er, aber gerade als ihm seine Verzweiflung noch einmal mit Adrenalin vollpumpte und ordentlich an Beschleunigung zunahm folgte dem kräftigeren Schritte ironischerweise ein Ausrutschen auf den lockeren Steinen.

Wieder außer Atem hielt ich ihn am Boden.

„Mohacsi? (keuch)… Ich verhafte Sie wegen dringendem Mordverdacht.“

Inzwischen kamen mir auch die Bahnhofskräfte zuhilfe und richteten ihn zu Zweit auf.

„Ich bin Friedrich Glock“ grinste er mich verschmitzt an, mit leichtem, nicht klar zuordenbarem Akzent. „Ich kann mich ausweisen“
„Dann bitte ich darum“, worauf mir der Angehaltene seine E-Card reichte.
„Was soll ich jetzt damit?“ fuhr ich ihn unwirsch an. „Reisepass, Personalausweis haben Sie keinen?“

Er schwieg.

„Reisepass oder Personalausweis bitte“

Wieder schwieg er.

„Können wir den irgendwo am Bahnhof festhalten oder gibt es sogar eine Polizeistation in der Nähe?“ fragte ich die beiden Kerle vom Sicherheitsdienst, worauf diese bejahten und den Verdächtigen abführten.

Karo stand bereits am Ende des Bahnsteiges und wartete auf mich. Erst jetzt kamen einige schnaufende Exekutivbeamte die Treppe hochgelaufen und nahmen meine Beute in gewahrsam.

„Mitric, Kripo Wien“ stellte sich der zuständige Kommandant mir vor „ist das Mohasci?“
„Ich denke“ gab ich zur Antwort „er konnte sich nicht ausweisen, war aber im Besitz der E-Card von Friedrich Glock.

Langsam fuhr der Zug ab nach Osten, als nun auch die Nacht am Anbrechen war, wurde mir klar, was passiert ist. Oben am Himmel pulsierten Polarlichter. Die Wissenschaftler hatten seit Jahren gestritten, wann es passieren würde, aber wie es aussieht hatte sich just an diesem Tag das Erdmagnetfeld umgepolt. Wie befürchtet kam es weltweit zum teilweisen Totalausfall des Funkbetriebes, aber die Bahn fuhr weiterhin fleißig dahin. In den kommenden Tagen brachte man auch Nach und nach das Mobilfunknetz wieder in Gange und bis auf stark vermehrte Erscheinungen von Polarlichtern blieb alles beim Alten.

Ein Freund von Glock, der nach den Meldungen über dessen Tod in der Zeitung zur Polizei kam sagte aus, dass Glock ihm einmal anvertraut habe, dass er sich Sorgen, ob eines Marian Gams machte und überreichte uns einige Dokumente.

Gams wurde Tage später am Flughafen Basel aufgegriffen, als er sich außerhalb Europas abseilen wollte. Durch den gestörten Funk erlahmte der Flugverkehr und er konnte nicht schon vorher ausreisen.

Konfrontiert mit den Dokumenten brachte er mehrere teils kuriose Geständnisse hervor, jedoch war klar, dass er Glock ermordet hatte, da ihm dieser massive Steuerhinterziehung nachweisen konnte und glücklicherweise einem Freund anvertraut hatte.

Gams und Mohacsi lockten Friedrich Glock mit noch nicht bekannten Mitteln nach Linz, es häufen sich die Beweise, dass man hierzu eine Frau verwendet hatte. Dort wurde er hingerichtet, zerteilt, tiefgekühlt und Stückchenweise zurück nach Salzburg gebracht, wodurch man Verwirrung stiften und die Spur zur Wohnung verwischen wollte.

Danach flog Gams mit dem Reisepass und Dokumenten Glocks nach Frankreich aus, wo er ihn weiterhin „am Leben hielt“. Mohacsi hingegen, bediente sich seines Tablets (das er auch bei der Verhaftung bei sich hatte) und publizierte unter Glocks Namen und E-Mail-Adresse einen Artikel. Ebenso sorgte er dafür, dass die Wohnung Glocks aufgeräumt war. Der Putzdienst wurde angewiesen, sämtliche Lebensmittel zu entsorgen, damit es wirklich nach einem Umzug aussah. Er war es auch, der die Leiche „entsorgte“.

Nach und nach tauchten fast all ihre Bestandteile auf und Friedrich Glock wurde nach seinem „erzwungenem Weiterleben“ in seine letzte Ruhestätte gebettet.

Marian Gams wurde lebenslänglich wegen vorsätzlichen Mordes inhaftiert. Für Mihail Mohacsi folgte wegen „Beihilfe zum Mord“ ebenso mit lebenslänglich.

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Der Touchscreen-Täter (2)

Kapitel 3: Tote schreiben nicht

„Karo, wie kann das sein?!“ rief ich ihr fast schon hysterisch zu, obwohl sie kaum einen Meter von mir entfernt stand „das ist die heutige Zeitung! Wie kann das sein?“
„Die Gewebeanalyse läuft noch, wir können noch nicht einwandfrei sagen, wie lange er schon tot ist“
„Wann wissen wir es?“
„Morgen sollte alles fertig sein“

Ich schaue kurz auf meine Uhr, es ist 18:03.

„Hmmm, bei der Zeitung erreich ich jetzt keinen mehr. Das mache ich dann morgen“

Während des Essens schlossen wir verschiedene Schlüsse, wie das möglich war. Meine Idee war, dass entweder der Beitrag per Post zugestellt wurde oder beim früheren Verfahren mit dem DNA-Test geschludert wurde.

Somit saugte ich mir also nach dem Essen das Dokument zum Prozess aus dem Verzeichnis.

2013 war F. Glock in einen Mordfall verwickelt. Ich erinnerte mich dunkel daran. So ein fetter Möchtegern-Terrorist wollte mithilfe von palästinensischen Extremisten eine Art Einsatztruppe für einen Scharia-Staat gründen. Einer seiner Helfer hielt die Polizei auf Trab, ihm war aber nichts nachzuweisen. Glock – schon damals ein angesehener Investigativreporter folgte ihm über einen gewissen Zeitraum unauffällig und hatte sich schon zuvor wegen teilweise aufsehenerregender Insider-Geschichten in der Szene einen Ruf gemacht, weshalb auch er (ohne sein Wissen) von der Exekutive beäugelt wurde.

Ein Aussteiger oder Informant Glocks sollte sich mit besagtem Extremisten treffen, wusste jedoch nicht, dass er aufgeflogen war und wurde kaltblütig erschossen. Glock wollte angeblich noch erste Hilfe leisten, jedoch gab es keine ausschlaggebenden Beweise dafür oder dagegen. Durch seine sofortige Aussage bei der Polizei konnte der Täter, ein gewisser Yussef A. sofort identifiziert und festgenommen werden. Derzeit sitzt er „nur“ wegen Mordes in der Haftanstalt Stein in Niederösterreich. Ein Racheakt wird also schwer. Ebenso passte der Tathergang nicht. Diese Gruppe war dafür bekannt, mit der Polizei zu „spielen“ und ihre Opfer einfach liegen zu lassen. Zeugen gab es meist keine und die arabische Gemeinde deckte sich gegenseitig. Ohne Glock wäre alles Knochenarbeit gewesen.

Aber mir fiel etwas auf: Glock wurde entgegen meiner Erinnerung nicht als Verdächtiger oder „Person von Interesse“ geführt, weswegen man nicht zuordenbare Spuren – es gab immerhin nur eine – einfach ihm zuwies, ohne eine Referenz zu nehmen.

Hier lag der Hase im Pfeffer.

Wahrscheinlich war Glock damals sofort ausgebüchst und irgendein Penner hatte den Toten nach Wertgegenständen durchsucht.

Dieser Penner handelte womöglich mit Drogen oder sonstwas und der hatte dem guten Ernst Backpulver unter sein Koks gemischt oder ihm irgendeinen anderen Mist angedreht. Ernst dreht durch und erschlägt ihn. Weiß nicht, was er mit der Leiche machen soll und zersägt sie. Ein Stück haut er in die Salzach, ein Anderes einfach in den Müll. Um sich zu beruhigen, fixt er nach dem „Entsorgen“ des letzten Teils ein und wird kommenden Tages gefunden. So einfach ist das.

Sicherheitshalber würde ich trotzdem am nächsten Morgen Friedrich Glock einen Besuch abstatten.

In der Nacht konnte ich lange nicht schlafen. Der Artikel passte trotz aller Logik nicht hinein. Wer schreibt heute noch Briefe? Hat die Zeitung sich zu viel Zeit gelassen? Ich hatte einmal bei einer einen Gastkommentar über die von der nationalistischen Regierung eingeführte „Abhängigentherapie-Neu“ publiziert und die war schon am übernächsten Tag gedruckt. Das lief einfach alles zu knapp.

Kapitel 4: Der Schwachpunkt

Mein Tag begann schon um 5 Uhr morgens. Nach wie vor hasse ich das Frühaufstehen und weil ich den Wecker wieder einmal etwas länger läuten habe lassen wartete mein „Taxi“ noch etwas länger. Mehr als vier Stunden hatte ich kaum geschlafen und auf dem Weg zu Glocks Wohnung wäre ich meinen Kollegen auch einmal fast entschwunden.

Gegen 6 kamen wir dann vor seinem Apartment an und ich betätigte die Klingel. Es machte einmal lang „Rrrrrriiiing“ und nichts. Nochmals. Und nochmals.

„Wir gehen rein“ meinte der Inspektor und ich gab meinen Sancti mangels Alternativideen durch in Nichtssagen und müde-in-die-Luft schauen.

Zwei Beamte brachen die Tür auf und wir fanden die Wohnung in äußerst sauberem Zustand vor. „Herr Glock!?“ rief ich in die von der Morgenröte angehellten Räumlichkeiten. Nichts.

„Ausschwärmen“ meinte der Inspektor und die zwei Beamten machten sich ans Werk. Ich nahm mir die Küche vor und war erstaunt: Der Kühlschrank war leer, das Gefrierfach ebenso. Es gab hier nichts zu essen und noch nicht einmal Kaffee.

Ein Kollege suchte gerade nach Spuren im Schlafzimmer, während ich ins Wohnzimmer schritt, wo auch der Inspektor nach zu sichernden Objekten Ausschau hielt.

„Hast du schon einmal eine so saubere Wohnung gesehen?“ fragte ich unsicher zu ihm hinüber.
„Kein Mensch hält so eine Ordnung, aber jeder hinterlässt Spuren“

Ich nickte und dachte an mein heimiges Chaos, das so ähnlich aussah, wie bei meinem „Kollegen“ Schimanski vom „Tatort“. Interessanterweise stand ein Laptop am Schreibtisch. Vorsichtig öffnete ich ihn und fand dort auch ein Haar hängen, ebenso war die Tastatur von Fingerabdrücken fettig und unter dem Schwarzlicht fand ich noch allerhand Anderes.

Das Material übergab ich. Für mich war die Sache erledigt, ich hatte genug gesehen und machte mich auf dem Weg in die Zentrale.

Auf meinem Schreibtisch türmten sich neben einem Exemplar der Tageszeitung „Die Fresse“ mit gestrigem Artikel noch ein paar Meldungen, dass noch 4 andere Leichenteile gefunden wurden die ident mit denen waren, die ich Nachts auf mein Mobiltelefon bekam. (Die Meldungen, nicht die Leichenteile)

Nach einem Anruf bei besagter Zeitung war das Absendedatum des Mails bekannt, in dem Glock seinen Artikel weiterleitete. Wie seinerzeit bei meinem Kommentar lag gerade einmal ein Tag dazwischen. Verweise zum Aufenthaltsort gab es keine.

Karo war auch schon eingetroffen und ging gerade in ihr Büro, um die über Nacht gesammelten Daten auszuwerten, als sie mir über den Weg lief.

„Guten Morgen“, sagte ich mit einem Lächeln „Fall gelöst“
Sie schaute mich etwas verwundert an und bevor sie noch etwas sagen konnte, unterbrach ich sie schon:“Die Kollegen haben beim Prozess damals mit den Refernzdaten geschludert. Der Tote ist irgendwer, aber nicht Glock. Irgendjemand hatte seinerzeit auf der Leiche seine Spuren hinterlassen und zufälligerweise hat Ernst Kajer diesen Jemand wegen irgendwas umgebracht. Den Kleinen nehm ich noch schnell ins Verhör und um den Rest kümmert sich dann die Staatsanwaltschaft“
„Und Glock? Lebt er?“

Damit hat sie mich am schwächsten Punkt meines Plädoyers erwischt.

„Offen gesagt…“ holte ich aus „… wissen wir nicht. Seine Angehörigen werden heute kontaktiert“

Ich bog dann nach rechts ab, um zur Zelle meines Lieblingsjunkies zu kommen und rief ihr noch nach:“Gib mir dann bitte wegen der Auswertung Bescheid“

Kapitel 5: Das Verhör

Wie erwartet setzten bei Ernst bereits die Entzugserscheinungen ein. Als er mir gegenübersaß wirkte er nervös, übermüdet und starrte mich mit gierigem Blick an. Fast schon wie Gollum aus „Herr der Ringe“.

„Hast du gut geschlafen, Ernst?“
„Nein“
„Also, weswegen ich hier bin…“
„Hast du Stoff?“
„Nein…“

Ab hier wusste ich, dass das ganze nicht leicht werden würde

„Das Blut auf deinem Pullover. Von wem stammt es“
Er schaute leicht zur Seite:“Irgendson Typ…“
„Kennst du ihn?“
„Nur einmal gesehen…“
„Und die ‘Schlägerei’ gab es weil…“
Wieder schaute er leicht zur Seite „Der hat mi halt angmacht“
„Was ist dann passiert?“
„Schlägerei…“

Selbst Politiker lügen nicht so schlecht, wie das zitternde Etwas vor mir.

„Wo ist er jetzt?“
„Weißnich…“

Und ein Schüttelfrost beutelte ihn ordentlich durch.

Mit Drohen wäre ich hier nicht viel weiter gekommen. Er hatte nichts zu verlieren und nichts zu gewinnen dabei.

„Was machst du, wenn du wieder draußen bist?“
„I gib’s mir wieder“
„Du weißt, dass wir dich noch eine halbe Ewigkeit hier halten können?“

Er schwieg.

„Und… Um die Drogenersatztherapie hier zu machen erfüllst du nicht wirklich die Anforderungen“

Kurz nachdem 2016 nach Zusammenbruch der ersten Dreierkoalition auf Regierungsebene erstmals eine nationalistische Alleinregierung zustande kam, vermeldete der damalige neue Kanzler Stacio, ein deutschnationaler Tscheche ohne deutsche Vorfahren vor tosendem Applaus, man werde „den ausufernden Drogensumpf trockenlegen“. Nachdem 2014 die österreichische Ärzteschaft und diverse Pharmaunternehmen in einen Strudel aus Freunderwirtschaft, Skandalen und Substitutionsmedikamenten versunken ist ein willkommenes Versprechen. Damals war man stolz darauf, dass man Abhängigen nur wenn sie Fortschritte machten Methadon gab. Sonst blieb nur der „Kalte Entzug“. Die Regierung rühmte sich, innerhalb kurzer Zeit die Zahl der Drogendelikte halbiert zu haben. In meinem damaligen Kommentar fügte ich zynisch hinzu, dass man doch auch gleich mitbejubeln könnte, dass sich in derselben Zeit die Dunkelziffer verdoppelte.

Wieder schwieg mein Gegenüber. Wieder jagte ein Schauer nach Verlangen durch seinen Körper.

„Aber vielleicht hilft dir das beim Reden?“ grinste ich ihm zu und zog eine Ampulle mit orangener Flüssigkeit aus meiner Tasche und versteckte sie halb unter meiner Hand.

„Is des…?“ flüsterte er und starrte mich an.
„Psssst… Spritze kann ich dir keine geben, das ist zu auffällig. Trinks in der Zelle, wenn dich niemand sieht, ist dann zwar nicht so stark, aber…“

Er konnte es nicht fassen.

„Also, also vorgestan, wo i ma’s gspritzt hab, da bin i am Bahnhof gwesen.“
„Ja…“
„Und, und… dann kann i mi an nix mehr erinnern, außer, außer…“
„Aaauuuußer…?“
„Des war so schen…“
„Und sonst?“
„Sonst, sonst… Bin i da aufgwacht und da Pulli woa voller Blut“
„Und die Schlägerei?“
„Ka Schlägerei?“
„Von wem ist das Blut“
„Was i nit“

Warum sollte er lügen?

Ich wies einen Beamten an, er solle das nun grinsende Glückskeks zurück in die Zelle bringen. Karo stand seit einiger Zeit hinter dem verspiegelten Fenster.

„JA BIST DU DENN WAHNSINNIG?!“
„Ja, wieso denn?“ Grinste ich zurück.
„DU HAST IHM JETZT WAS GEGEBEN?“
„Ja was denn?“ grinste ich wieder
„Du kannst doch nicht“
„Birnensirup, schwach verdünnt.“

Sie starrte mich an.

„Ich hab ihm eine Ampulle mit Birnensaft gegeben. Das Zeug ist aber ziemlich süß, über den Zuckerkick wird er sich freuen“

Sie stand fassungslos da. „Aber, aber?“

„Sonst hätte der Schwachsinn doch ewig gedauert… Was gibt’s bei dir Neues?“

Als sie sich wieder halb gefasst hatte, meinte sie, immer noch über das Geschehene sinnierend:
„Meine erste Schätzung traf in etwa zu. Beim Teil in der Salzach kann man nichts mehr sagen, zu viele mechanische und chemische Einwirkungen. Aber das aus der Mülltonne ist heute vier Tage alt“
„Denkst du, dass der DNA-Test fehlerhaft war?“
„Nein, ich habe beide überprüft – und heute am Nachmittag kommt das Ergebnis von den neuen Klumpen“

Wir standen wieder ganz am Anfang. Keine Indizien, kein gar nichts. In der Wohnung auch nichts Vernünftiges und jetzt warten wir auf eine Nachricht von den Angehörigen…

Das mit dem Blut erklärt sich dann leicht. Wie ich selbst gesehen hatte, lief das Blut aus der Tonne heraus und besudelte eben alles, was darunter war. Sei es Asphalt oder Fixer.

Kapitel 6: Tote reisen nicht

Es kam einfach keine Lösung. Mein ganzes Gebilde war zusammengebrochen. Und was, wenn Ernst mir nur sagte, was ich hören wollte?

Nein, das kam nicht infrage. Ich hatte mich von Anfang an gewundert, warum er jemals eine Schlägerei anzetteln würde oder nicht schon spätestens nach dem ersten Hieb weinend am Boden lag. Seine Aussage ergab so wesentlich mehr Sinn.

Mein Telefon läutete.
„Kommissaro Schwaigero am Apparato?“
„Salü Marió, ‘ier ist Patrice“
„Ah, freut mich, dich zu hören, gibt’s was Neues?“
„Jawo’l, wir ‘aben gute Na’rischten“
„Immer nur her damit, die kann ich brauchen!“
„Wir wissen, wo der Glock ist“
„BITTE? Lebt er?“
„Ja, und es scheint ihm gut zu ge’en“
„Wie? Was? Wo?“
„Seine Mutter ‘at ‘eute eine Na’rischt von ‘im bekommen“
„Wo ist er??“
„Er schreibt seit ein paar Tagen an seinem Busch“
„Busch? Ah, Buch. Und wo?“
„In der Provance ‘at er sisch ein ‘äusschen gemietet“

Ich war sprachlos.

„Hast du Nummer und Adresse?“
„Wird gleisch weitergeleitet, und in ein paar Minüten kommt die Polizei bei ‘im vorbei. Isch ‘abe alles schon geregelt“
„Danke…“

Konnte das sein? Das passt mit der Wohnung zusammen. Er ist einfach umgezogen.

Alsbald ich die Nummer hatte, rief ich ihn an.

„Glock?“
„Bon jour, Herr Glock, hier ist Kommissar Schwaiger aus Salzburg“
„Ah, ja, ich habe gerade Ihre französischen Kollegen hier, die meinen Pass unter die Lupe nehmen. Was ist denn los? Von denen kann keiner Englisch oder Deutsch? Und mein Französisch war noch nie sehr gut.“
„Wie geht es Ihnen?“
„Sehr gut, ich bin gerade am Schreiben, wie darf ich behilflich sein?“
„Wir hatten befürchtet, Sie seien ermordet worden?“
„Bitte?“, lachte er „Ha, die Nachricht von meinem Tode halte ich für stark übertrieben“
„Dann… genießen Sie ihren Aufenthalt“
„Merci“

Glock war also am Leben, ich hatte selbst mit ihm telefoniert. Die aufgeräumte Wohnung, der Artikel, das passte alles zusammen. Die Geschichte ergibt Sinn.

Nur der Tote passt nicht hinein. Wer ist die Leiche?

Nachmittags schaute ich mir die anderen Orte mit Patrice an. Wieder Müllkübel. Alles in Salzburg.

„Gibt es Videokameras?“ fragte ich ihn.
„Wir jagen ein Phantom“
„Wie das? Der Bahnhof ist doch überwacht“
„Ja, aber nischt ‘inter der Baustelle“
„Und die Kübel hier sind in irgendwelchen Seitengassen. Weiß man etwas über den Entsorgungszeitpunkt?“
„Nein“

Am Abend bekam ich noch eine Nachricht, dass auch die anderen Teile vom selben Opfer stammten. Wenn der Tote doch nur reden könnte.

Kapitel 7: Unser Bruder Tod

Nachts plagten mich seltsame Träume, dass Glock von Glock umgebracht wurde und zwei von ihm herumliefen. Das würde noch am Ehesten Sinn ergeben.

Verspätet kam ich in meinem Büro an und Karo wartete schon nervös.

„Gibt’s was Neues?“
„Alles stimmt überein“
„Ja, das hast du mir gestern zukommen lassen“
„Alles alles übereinstimmt. Auch die Spuren in seiner Wohnung“

Fortsetzung folgt.

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Der Touchscreen-Täter (1)

von Mario J. Schwaiger, inspiriert von Malka
Teilweise auf wahren Begebenheiten basierend

Nachdem meine letzte Geschichte so gut angekommen ist, möchte ich jetzt erstmals einen Versuch wagen, eine Art Kriminalnovelle zu verfassen. Sollte diese gut ankommen, so werde ich gerne öfters Vergleichbares verfassen. Danke an meine liebe Freundin Malka in Jerusalem, die mich auf diese Idee gebracht hat.

Sämtliche Figuren in dieser Geschichte sind frei erfunden und jede Ähnlichkeit ist zufällig. Aber auch zufällige Ähnlichkeiten sind Ähnlichkeiten.

Kapitel 1: Frühingsgefühle

Salzburg im März 2019

salzbIch stehe mit einem Kaffee am Ufer der Salzach und starre auf den Hügel, der sich vor mir erhebt. Der Winter war dieses Jahr nicht so lange, aber frühlingshafte Sonnenstrahlen sind jedes Jahr etwas Besonderes. Ein Provinzler wie ich, eigentlich Informatiker, hat seinen zweiten Bildungsweg bei der Kripo eingeschlagen und es tatsächlich zu etwas gebracht. Meine ersten Fälle gingen gut voran und ich wurde rasch befördert. Aus dem beschaulichen Lienz ging es recht bald in die Großstadt.

Salzburg. Wenn ein Tourist das hört, denkt er an Mozart, ein Österreicher an Sommerfrische und Mozart und ich… daran, dass ich Mozart mochte, bevor ich hierher gekommen bin.

Ebenso frage ich mich, wer auf die Idee gekommen ist den guten Wolfgang auf meinem Kaffeebecher abzubilden und was das Eine mit dem Anderen zu tun hat. Auch ein Schuss Mozart-Likör kann den faden Geschmack eines entkoffinierten Kaffees nicht aufpeppen. Auch nicht während der Dienstzeit.

Als ich anfange, die braune Suppe aus dem Becher in die braune Suppe voll Schmelzwasser zu gießen, läutet mein Mobiltelefon.

„Schwaiger Schalom, Sie wünschen, ich spiele?“
„Spiel gleich hier auf, Mario, hier ist Karo. Wir haben am Salzachstrand 5km vom Zentrum etwas Hübsches herausgefischt“
„Karo… Karo? Liegt mein Rotfilter bei dir?“
„Rotfilter?“
„Ja, ich hab dich doch vor ein paar Wochen bei dir daheim abgelichtet?“
„Karoline von der Spurensicherung“
„Ups…“

Peinliches Schweigen.

„Ich äh“ ich räuspere mich „fotografiere ja hin und wieder…“
„Das ist ja widerlich, ich schick dir die Koordinaten zu“
„Ich äh..“. Was ich noch sagen will, weiß ich nicht, aber meine Kollegin hatte ohnehin schon aufgelegt.

Mit dem Fahrrad mache ich mich auf dem Weg an die gesendeten Koordinaten. Am besagten Ort angekommen bahne ich mir den Weg bei einigen stehenden Polizeiautos, die vor einem Wäldchen positioniert wurden vorbei. Ein Kollege begrüßt mich und bringt mich gleich zu Karo, die einer grauen Masse Proben entnimmt.

„Hast vorher ja beschäftigt geklungen, worum geht’s?”
„Rate einmal, was das hier ist“ blickt sie mich an und zeigt auf das Etwas.

Beim genaueren Hinsehen bemerke ich einen Knochen daraus stehen und mir wird leicht übel. „Oberschenkel?“ würge ich hervor.

„Linker Oberschenkel, sehr grob abgetrennt, seit etwa drei Tagen im Wasser“
„Vom Täter wird da nicht mehr viel zu finden sein… Wie seid ihr darauf gestoßen?“

Karo zeigt auf eine Schulklasse. „Eines der Kinder hat ihn hier am Strand liegen sehen, die Lehrerin hat uns daraufhin verständigt“

Ich dachte kurz nach. Mir kam gerade mehreres in den Sinn. Wie der Scheißer wohl reagiert hatte, als er das Teil gefunden hatte. Das wird wohl eine Belastung fürs Leben sein. Welch Ironie. Ein Toter beeinflusst das Leben eines Kindes, obwohl sich die beiden wohl nie gesehen haben.

Ein paar Tage zuvor wurde ein Kannibale in Bayern verurteilt. Zwar wurden alle Toten identifiziert und teilweise auch die Überreste sichergestellt, aber wer weiß, wen der Kerl noch auf dem Gewissen hat. Ebenso sitzt gerade ein Giftler in U-Haft. An seiner Jacke war einiges an Blut, dass wie er meinte von einer Schlägerei stammt. Vermisstenmeldungen gab es komischerweise in den letzten Tagen keine, trotztem werde ich mir Fixi einmal vornehmen.

Gedankenversunken bin ich fast an der Klasse vorbeigegangen. Meine liebe Freundin Olga, eine Psychologin hat mit den Kindern gerade gesprochen und versucht jetzt die Lehrerin zu beruhigen, die sichtlich mit den Nerven am Ende ist.

„Hey Olga! …“ sie dreht sich kurz um und zeigt mit der Hand an, dass ich etwas ruhiger sein sollte, da die Lehrerin gerade mit ihrer Emotionalität kämpft.

„… wer von den Kindern hat…“ flüstere ich. „Der mit dem grünen Pullover“ versucht sie höflich und doch rasch zu sagen.

Ich wollte mich des Kleinen annehmen. Ihm ein bisschen Mut zusprechen und sagen, dass er jetzt stark sein muss.

„Der Klausi hat an Totn gfundn“ sagt ein etwas dickerer Junge mit offenem Mund zu mir.
„Ja“ gebe ich zu „aber manchmal passieren schlimme Dinge“
„Weat er jetzt verhaftet?“
„Aber nein“ erwidere ich lachend. „Niemand wird verhaftet, weil er der Polizei hilft“
„Schaaaad“

Ich werfe dem Fetten noch einen verwunderten Blick zu und begebe mich zu Klausi, um den sich die Anderen einen Kreis gebildet haben.

„Hey Kleiner, wie geht’s?“
„Wer bist du denn?“
„Kommissar Schwaiger, von der Kriminalpolizei“ erwidere ich mit einem Lächeln.

Ein Mädchen mit wegstehenden Zöpfen und Brille fängt an zu hüpfen „Siehst du! Die verhaften dich doch!“
„Nein, Nein, niemand wird hier verhaftet“ schlichte ich.

„Ich war schon öfters im Knast“ raunt mir Klausi zu.

Hä?

„Wie alt bist du?“
„Schon fast neun“
„Ja, wer ist mit dem Alter noch nicht gesessen…“
„Mit euch Bullen mach i immer Schiaßereien“

Die Mädchen schauen ihn staunend an und ich begreife erst, was der Kleine da spielt. Von wegen fürs Leben gezeichnet, der gibt jetzt auch noch an.

„Die hab ich auch immer, ich ziehe aber meine Kamera vor“ entgegne ich. „Brav bleiben, Kinder“ werfe ich noch schnell in die Runde und mache mich aus dem Staub. Karo macht ihren Job alleine ganz gut, Olga hat alle Hände mit der Lehrerin zu tun, die inzwischen zu schreien begonnen hat und die übrigen Beamten sind auch alle, wo sie sein sollen.

Auf mich wartet jetzt ein Fixer in seiner Zelle.

Kapitel 2 – Needles and Pins

Auf dem Bett liegt ein etwas dickerer junger Mann, der ein Tuch um seine Augen geschlungen hat und vor sich hinjammert. Ernst heißt er. Wirklich bekannt ist er nicht. Aufgegriffen hat man ihn bisher erst zwei Mal. Bisher war er nur ein kleiner Fisch für uns. Die Dosen an Heroin, die er bei sich hatte waren genug zum Eigenverbrauch und wenn er sie noch etwas gestreckt hätte, dann könnte ein Freund höchstens noch einmal daran lecken aber Dealer ist er sicher keiner. Therapie will er keine machen und solange man ihm nichts Minderwertiges in seine „Jause“ kippt wird er noch fröhlich so weitermachen. Jetzt auf jeden Fall wirkt er nicht mehr so euphorisch.

„Ein Crack-Kater fühlt sich so an als würdest du einen Berg voller Glasscherben herunterrollen“ hat einmal ein Aussteiger zu mir gemeint. Das zusammengerollte Etwas auf der Pritsche, das gerade den Kampf gegen das Sonnenlicht zu Mittage verloren hat wirkt ob der ganzen Einstichstellen auch physisch so.

„Guten Morgen…“
„Mmmhhmm… wwwwh…“
„Ernst, bist du wach?“
„Hmmmww…“
„Ich wollte mit dir über die Blutspuren auf deiner Jacke reden“
„Hammmwww…“

Auch wenn es in seiner Stimmung bemerkenswert ist, dass er einen Vokal herausbekommen hat, wir haben einen Toten und ich nehme ihm seine Sonnenblende ab.

„Häääälll“
„Ja, es ist hell. Und wir können die Sache schön verkürzen, wenn du mir sagst, was ich hören will“
„Hmmm…“
„Das Blut auf deiner Jacke“
„Des hab i von ana Schlägerei“

Das sagte mir ein leicht übergewichtiger Junkie, der im Moment nicht einmal ein paar Photonen erschlagen kann, die ihm auf die Netzhaut pretzeln.

„Ich wusste nicht, dass du schlägerst“
„Tua i aber, und i will jetz wieder schlafen“ flehte er um sein Tüchlein.

„Wir haben dich jetzt zum dritten Mal bei uns zu Gast und was ich so über dich weiß gehörst du nicht zu den Groben“

Er versuchte sich umzudrehen, doch das Licht war heute wirklich stärker. Ich sollte einen Brief an das Innenministerium schreiben, jede Zelle in Österreich mit großen Fenstern auszustatten.

„Gib her“ wimmerte er und hielt sich mit dem einen Arm die Augen zu und versuchte seinen Wisch mit dem Anderen wieder zu holen. Ein eher hoffnungsloses Unterfangen.

„Also, das Blut…“

In diesem Moment klingelte mein Mobiltelefon.

„Schwaiger?“
„’ier ist Patrice, ca va?“
„Ça va… Was gibt’s bei der schnellen Truppe?“
„Wir ‘aben am Baan’of Leischenteile gefunden. Ge’üllt in Müllsäcke“
„Bitte was?“
„Die Reinigungsfirma ‘at in einem Papierkorb neben einer Baustelle den Sack gefunden“
„Weitere Indizien?“
„Soweit nischt. Keine Spuren, kein Garnischt“
„Könnte das mit dem Teil zusammenhägen, dass heute in der Salzach getrieben ist?“
„’a ‘a, zusammen’ängen! Sehr lustisch“
„Du weißt, was ich meine“
„Wir vermuten“
„Halt mich auf dem Laufenden, Merci, Au revoir“

Plötzlich schoss es mir. Unser Ernst hier wurde genau an dieser Stelle aufgegriffen.

„Den Pullover bitte“
„Hääää?“
„Den Pullover bitte“ erwiderte ich mit Nachdruck.

So ganz verstand er es nicht, aber er war wach genug, um mich zu sehen. Er zog ihn aus und überreichte ihn mir wortlos.

„Hier hast du dein Tuch“ und drückte es ihm in die Hand.

Daraufhin verschwand ich aus seiner Zelle. Schlägerei! Ach was, Schlägerei! Todschlag! Es sind immer die, von denen man es am Wenigsten erwartet.

Den Fetzen hatte ich nur mit den Fingerspitzen angefasst und sogleich in ein Plastiksackerl gelegt. Karoline kam gerade in die Forensik, sodass ich ihn ihr überreichen konnte.

„Kontrollier bitte, ob das vom selben Toten stammt“ und drückte ihr meine Falllösung in die Hand.

„Wenn ja, dann ist alles praktisch gelöst“ lächelte ich.

Es würde noch eine zeitlang dauern, bis alles ausgewertet war. In der Zwischenzeit konnte ich mich am Bahnhof umschauen. Die Informationen waren nur minimal und das Wesentliche wusste ich schon. Leichenteile im Müllkorb. Keine weiteren Spuren. Ich konnte nichts Auffälliges sehen, außer, dass ein Reinigungsbediensteter gerade den Papierkorb säuberte. Man konnte noch deutlich sehen, dass Blut aus dem Müllsack geronnen ist. Wahrscheinlich hatte jemand Glasscherben oder noch glimmernde Zigarettenstummel hineingeworfen, wodurch sich die Versiegelung geöffnet hatte.

An dieser Mülltonne hatten wir auch in der Nacht zuvor unseren Fixer aufgegabelt. Er hatte sich gerade einen Schuss gegeben und war dann zusammengesackt und wollte sich noch am Kübel festhalten nehme ich an.

Zurück im Hauptgebäude war mein erster Weg zu Karo, die gerade mit der Auswertung fertig war.

„Ich habe zwei gute Nachrichten für dich“ – sagte sie lächelnd.
„Bitte sehr“
„Alle drei Proben stimmen überein“
„Hervorragend!“
„Und! Wir wissen auch, wer der Ermordete ist!“
„Schapo!! Das ist ja perfekt! Wer denn?“
„Ein gewisser Friedrich Glock.“
„Wer soll das sein?“
„Ein Journalist. Vor Jahren war er in einem Prozess involviert, weil man seine Spuren an einem Tatort gefunden hat. Seit dem liegen sie in der Datenbank. Damals wurde er aber freigesprochen, da er nur Zaungast war“
„Perfekt. Ich leite alles Weitere ein. Damit hat der gute Ernst wohl ein gewaltiges Problem. Aber vorher möchte ich eine Kleinigkeit essen. Ich lad dich ein, kommst du mit?“
„Habe eh gerade Pause“

Auf dem Weg in die Kantine plauderten wir darüber, ob die Kinder von heute wirklich so anders sind als unsere Generation. Ich wüsste nicht, wie ich damals mit acht darauf reagiert hätte, einen Leichenteil zu finden.

„Grüß dich Max“ winkte ich einem zeitungslesenden Polizisten zu. „Entschuldige mich bitte“ meinte ich zu meiner Begleitung“ und ging zu ihm hin.

„Oh, hallo Mario. Lange nicht gesehen“
„Wie schaut’s am Wochenende aus? Lust auf Fußball?“
„Können wir machen, ist Samstag gut?“
„Sollte passen, ich geb dir dann noch die Zeit Bescheid.“
„Hm?“

???

Ich erstarrte.

„Karo…“

„Ja?“ rief sie zu mir herüber.

„Komm … her“

Ich drehte ihr die Zeitung zu.

Sie wurde blass.

In der Zeitung fand sich ein Gastkommentar von Friedrich Glock.

Fortsetzung folgt.

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Mobil ohne Mobiltelefon – oder: A Fool with a Tool is still a Fool

Teil 1: Mario hasst die Moderne und will zurück ins Jahr 1868

Am Mittwoch nahm ich in Wien gerade ein indisches Mittagsmahl zu mir, als mein Mobiltelefon langsam aber sicher die Bedienung erschwerte. Anfangs tat ich es als einen zu schwachen Tastendruck meinerseits ab, aber mit zunehmender Nutzung stellte sich das Unleugenbare ein:

Die Kontrolltasten zur Steuerung des Menüs fielen aus.

Lange hat's gehalten und um die halbe Welt habe ich es mitgenommen...

Lange hat’s gehalten und um die halbe Welt habe ich es mitgenommen…

Am Anfang teilweise, am Ende gänzlich und schließlich war es offiziell: Fünf Jahre hatte mir mein Werkzeug gedient und jetzt sollte mein Sklave wie es das biblische Recht erforderte in die Freiheit entlassen werden (Zugegeben: So ganz an die abgemachte Zeit wollte sich die Gerätschaft nicht halten, aber Reisende wollen bekanntlich ungern aufgehalten werden…).

Nun ja, ich bin… war glücklicher Besitzer eines Sony Ericsson K715. Mein vorheriges Gerät, das K770i Cybershot gefiel mir ob des Autofokus bei der Kamera etwas besser, da dies CR-Codes schneller entschlüsseln konnte, aber mit etwas Übung habe ich es auch mit dem K715, das sich in die „Walkman“-Kategoie eingeordnet hat zusammengebracht.

Das K715 wird womöglich kaum jemandem etwas sagen: Der Bildschirm ist zwar auch für heutige Verhältnisse ganz ordentlich, aber es hat keinen Touchscreen, eine miese Kamera und der Prozessor ist wirklich schwach. 2009 hatte ich mir zuerst ein Sony Ericsson Xperia X1 gegönnt. Damit war ich am Puls der Zeit, dachte ich. Ein Gerät für Geschäftsleute mit aufklappbarer Tastatur, wie von mir gewünscht hatte sowohl mit tippstift- und fingersensitiver Touchscreenerkennung und einigen recht interessanten Anwendungen.

Nun ja, ausgehalten habe ich es damit vielleicht zwei Tage. Mit der klassischen Telefontastatur und T9 war ich WESENTLICH schneller, als mit der Tastatur und wäre im Vergleich zum Touchscreen wäre ich vielleicht sogar wegen Geschwindigkeitsübertretung aufgehalten worden.

Zudem konnte ich mit meinem vorigen Gerät 90% der Wörter schreiben, ohne hinzuschauen. Und das Neue war langsam… Einfach nur langsam.

Nach kurzem Protest beim Verkäufer nahm der es zurück und gab mir auf Wunsch mein K715.

Das Schreiben gestaltete sich wieder als angenehm. Trotz Nicht-Smartphone konnte ich Facebook und Gmail abrufen und während ich auf das Essen wartete meine Lieblingstageszeitung online lesen.

Von allen „Apps“ die existieren gab es nicht eine Einzige, die ich mir zugelegt hätte. Wenn ich spielen wollte, dann habe ich mir über einen Game Boy-Emulator auf Java-Basis einige alte RPGs gegeben. GPS hatte es integriert und Google zeigte sich so kooperativ, Maps auch auf Java-Basis zu veröffentlichen und ließ mich meine Wege auch über ein „veraltetes“ Mobilgerät abgehen.

Am Mittwoch habe ich mir gesagt, dass ich nicht ewig in der Vergangenheit leben könne und legte mir mit dem Nokia N900 ein Gerät für den EDV-Ingenieur in mir zu. Das N900 zeigte sich durch ein Linux-Derivat aus und hatte eine ausklappbare Tastatur sowie zahlreiche andere Spielereien.

Nun ja… Ich habe es nach ein paar Minuten gehasst. Der Bildschirmausschnitt vergrößerte nicht, wie ich es wollte, sondern verschob das Fenster nur seltsam, zum am-Bildschirm-Tippen habe ich zu große Finger (Die Genetik, vermute ich… ab der Generation meiner Großeltern fängt das harte Leben in den Bergen Österreichs an, also Holzhacke statt Touchscreen).

Damit war ein Punkt erreicht, den ich so an diesen Touchscreens hasse… Wieder eine Geschwindigkeitseinbuße. Aber damit muss der technologische Fortschritt eben leben.

Am Abend habe ich meine E-Mails abgerufen und die Neuigkeiten auf Facebook gelesen. Die standardmäßige Anzeige war schon sehr klein. Dadurch, dass ich jetzt einen „richtigen“ Webbrowser hatte, wurde auch JavaScript und Flash geladen. Selbst für meinen 2GHz-Laptop hin und wieder eine Prüfung… Mein Mobilgerät war damit heillos überfordert und renderte vor sich dahin, regelmäßig hätte ich nebenbei ein Buch lesen können. Die Technologie hat also die Technologie besiegt. Fantastisch.

Tags darauf bekam ich einmal einen Anruf. Bis dato habe ich meine Anrufe rein intuitiv mittels Tastendruck durch eine strahlenundurchlässige Tasche angenommen. Jetzt gab es keinen Annahme-Knopf mehr, ich musste über den Bildschirm bestätigen. Also, Telefon aus der Tasche nehmen, Anruf annehmen und Telefon retour. Mühselig.

Ich hätte dann gerne das Programm „Scotty Mobile“ heruntergeladen. Damit kann ich als leidenschaftlicher Zugfahrer immer die gewünschten Verbindungen abrufen. Für mein System war es nicht verfügbar und die Benutzung der Weboberfläche der Österreichischen Bundesbahnen über ein Mobilgerät ist eine Philosophie für sich… Vor Allem, wenn die Seite das Gerät ob des modernen Browsers als PC-Version darstellt.

Jetzt war der Punkt erreicht. Ich hatte keine Lust mehr. Eine Stunde später hatte ich mein Geld retour und wollte ein anderes Gerät haben.

Der Israeli im Handyladen hielt ein… ich denke, es war ein HTC hoch und legte es mir ans Herz.

„Nein“ meinte ich… „Damit ärgere ich mich nur wieder“. „Alter, das hat eine HD-Kamera!“ rief mir zu. „Mein Freund…“ entgegnete ich ruhig und zog meine Nikon-Spiegelreflexkamera aus der Tasche (Diese Bewegung dauert etwa 2,5 Sekunden, inklusive Einschalten) „DAS ist eine HD-Kamera“.

Damit war die Diskussion beendet und ich verließ mangels mit mir kompatiblem Ersatzgerät das Geschäft unerreichbar.

Teil 2: Mario ist im Jahr 1868 angekommen – und ärgert sich über die Menschen damals

Allerdings war ich recht gespannt auf das sich zwangsläufig ergebende Experiment: Ich, Mario J. Schwaiger werde im Jahre 2013 eine gewisse Zeit unerreichbar sein.

Alles, was man von einer Firma wissen muss

Alles, was man von einer Firma wissen muss

Aber nicht im Alltag, sondern in einer recht interessanten Phase des Lebens – Tags darauf hatte ich einen Zug von Wien nach Linz zu erwischen, am frühen Nachmittage sollte ich dort ein Verkaufsgespräch mit einem für mich sehr interessanten Unternehmen haben.

Gleich darauf würde ich weiter nach Salzburg fahren, wo ich mich mit einer Freundin treffen wollte, von der ich jedoch keine Nummer (mehr) hatte. Ebenso benötigte ich die Zeiten der darauffolgenden Zugverbindung von Linz nach Salzburg und von Salzburg nach Lienz.

Hiermit war klar, dass dieses Unterfangen ohne moderne Kommunikation faktisch nicht durchführbar war. Ggf. hätte ich bei den ÖBB anrufen und nach den passenden Verbindungen fragen können, aber spätestens bei der Fußmarschroute zu den neuen linzer Kollegen würde alles schwierig werden. Also habe ich mich am Abend in ein Café gesetzt und bin online alles durchgegangen. Diesmal war ich bei der Suche etwas erfolgreicher als beim letzten Mal. 3 Lokale hatten kein WLAN oder wussten nicht, was das war, aber beim 4., dem Café Griensteidl wurde ich fündig. Noch vor zwei Jahren meinte ein Kaffeehausbetreiber im 2. Bezirk zu mir, seine Gäste würden kein WLAN wünschen, worauf ich entgegenfetzte, dass er mich dann aus dem Kreis seiner Kunden wohl besser ausschließen solle.

Über die Bahn-Webseite fand ich passende Verbindungen nach Linz und habe diese schriftlich festgehalten. Über Google Maps war der Weg (zu Fuß zurücklegbar) auszumachen und über Facebook erbat ich die Nummer von Karo in Salzburg, damit ich sie von einer Telefonzelle aus anrufen konnte.

"Karte" von Linz... oder von dem Teil Linz' der mich interessiert...

“Karte” von Linz… oder von dem Teil Linz’ der mich interessiert…

Die Karte vom Bahnhof zur Firma hatte ich auf ein Blatt Papier gezeichnet und war gerüstet.

Der kommende Tag begann aufgrund Mobilfunkfreiheit ohne Wecker – natürlich war ich zeitig genug schlafen gegangen um etwa gegen 9 aufzuwachen und zu duschen. Jetzt stand ich allerdings vor neuerlichem, aber eher marginalen Konflikt: Fährt vom Karlsplatz die U1 oder die U4 zum Westbahnhof?

Meiner Meinung nach war es die U4, jedoch erwies sich diese als unrichtig und ich musste etwas in Eile zur U1. Allerdings wäre ich, wie ich an einem im Inneren der U-Bahn befestigten Netzplan ersehen konnte mit einer Verbindungskombination U4, U6 schneller gewesen… Aber nur ein wenig.

Man sieht schon: Salzburg ist etwas chaotischer als Linz

Man sieht schon: Salzburg ist etwas chaotischer als Linz

Am Bahnhof war ich so spät, dass ich kaum noch Zeit hatte, ein Ticket zu kaufen, jedoch genau richtig, um mit einem Zug der Westbahn zu fahren. Diese bieten im Gegensatz zu den Railjet-Zügen der ÖBB zwei grundlegende Vorteile: Ticketkauf im Zug ohne Strafzahlung und funktionierendes kabelloses Internet, wodurch ich mit Karo kommunizieren konnte und wir grob eine Zeit ausmachten.

Das Gespräch in Linz dauerte etwas länger als erwartet, aber ich war zeitig genug, um genau auf einen Zug der Westbahn zu gelangen und hatte wieder Internet und konnte auch dieses Mal mein Billett erst während der Fahrt erstehen. Dieses Mal fand ich eine Telefonnumer und ein Lokal vor, dessen Route ich wieder auf einen Zettel zeichnete.

Die Zeit war hier deswegen so wichtig, da ich einen kleinen Spagat machen sollte: Sie hatte bis 16:45 Uni und ich kam um 16:12 an und musste noch den Weg bis zur verabredeten Pizzaria gehen. Da ich durch meine frühere Ankunft schneller war, versteht sich von selbst – doch auch sie fand ihren Weg.

Frühstück, Mittag- und Abendessen in Salzburg - noch dazu in sehr angenehmer Gesellschaft

Frühstück, Mittag- und Abendessen in Salzburg – noch dazu in sehr angenehmer Gesellschaft

Den letzten Zug nach Lienz würde ich ohnehin nicht schaffen, weswegen ich nur nach Spittal fahren und mich dort von meinem Vater abohlen lassen wollte. Karo kannte die Strecke besser und empfahl mir, nur nach Mallnitz zu gondeln, da dies etwas billiger und obendrein von Lienz aus näher sei. Meinen Vater konnte ich mit ihrem Mobiltelefon erreichen und ihm Zeit und Ort bekannt geben.

Teil 3: Als Ewiggestriger in der heutigen Welt von morgen?

Die heutige Welt ohne Facebook? Geht das? Und wie lange würde es dauern, bis jemand Facebook neu erfindet?

Die heutige Welt ohne Facebook? Geht das? Und wie lange würde es dauern, bis jemand Facebook neu erfindet?

Schon lange denke ich mir, ob und wie es möglich ist, als mehr oder weniger normaler Mensch in unserer modernen Welt abgekoppelt von E-Mail, Mobiltelefon, Facebook und Online-Kartenmaterial zu leben.

Inzwischen können sich kurzfristig so schnell Möglichkeiten und Entscheidungen ergeben, dass mit altbewährten Methoden, wie Festnetztelefon und Briefverkehr kaum noch mitgehalten werden kann.

Wie könnte man mit solchen Mitteln nur 12 Stunden zuvor einen ganzen Tag planen, an dem man drei Termine hat und in vier Städten unterwegs ist. Noch dazu, wenn bestimmte Variablen nur schwer zu steuern sind: Wie lange schlafe ich ohne Wecker? Wie lange dauert das Gespräch? Wie lange dauert das gemeinsame Abendessen? Wo und wann kommt mein Zug an?

Der Vorteil der modernen Kommunikation liegt darin, dass man vor allem Wartezeiten vermeiden kann. Wenn ich den Zeitplan so ansetze, dass ich überall 1-3 Stunden zu früh oder zu spät ankomme, kann ich meinem Partner der Wahl sagen, in dieser Zeit bereit zu sein.

„Zeit ist Geld“ ist heute treffender als jemals zuvor und durch die Möglichkeit dieser schnellen Kommunikation ist es unglücklicherweise auch möglich, Termine, denen man vor Jahren nicht ausweichen konnte ohne Vertrauensverlust zu erleiden, da der Counterpart eine Reise machen musste und ab einem Zeitpunkt nicht mehr erreichbar war einfach abzusagen.

Ein Freund von mir erzählte mir einst, dass in Indien früher sehr viele kleinere Reisen in Nachbardörfer unternommen werden mussten. Sei es, wegen Reparaturen, wegen Anschaffungen oder wegen sonstwas. Deswegen hatte man mit seinem Geschäftspartner eine Zeit ausgemacht, wann das Gut abzuholen sei. Konnte oder wollte man nicht liefern oder handeln, so musste auf eigene Kosten und Strapazen weggefahren und unter Schande abgesagt werden. Lieber etwas mehr arbeiten, dann kommt der Kunde auch wieder. Heute kommt als SMS bequem eine Nachricht dass es eben nicht geht. Das sei inzwischen fast der Primärnutzen eines mobilen Kommunikationsmittels.

2011, als ich von Budapest nach Oświecim gezogen bin war ich schon einmal in einer ähnlichen Situation, die mir umso mehr gezeigt hatte, dass in Ausnahmesituationen Verlässlichkeit extrem wichtig wird.

Ein paar Tage vor der Reise hatte ich meine künftige Kollegin Luisa via Skype angerufen und ihr gesagt, wann ich ankommen werde – die exakte Zeit am Bahnhof ihres Einsatzortes. Keiner hatte vom Anderen eine Telefonnummer oder Ähnliches. Mein Zug war pünktlich und auch meine neue Lieblingskollegin war zur verabredeten Zeit am Bahnhof und schon bei der ersten Begegnung gezeigt, warum sie wahrscheinlich meine „ewige Lieblingskollegin“ sein würde. Es hatte alles gepasst. (Die Geschichte gibt es übrigens hier: http://myaliyah.wordpress.com/2011/02/03/ein-neues-leben-in-einer-neuen-welt/ )

Als ich am Ende meines Dienstes abgelöst werden sollte zeigte sich mein Nachfolger Lukas nicht ganz so freundlich. Er hatte das Datum verwechselt und ich bin umsonst um 4 Uhr morgens aufgestanden…

Ich möchte nicht sagen, dass es heute nicht mehr ohne moderne Kommunikationsmittel geht. Es geht schon noch irgendwie, jedoch benötigt man dafür verlässliche Partner und muss jedes Ereignis genauestens planen. Hin und wieder sind dann auch Wartezeiten hinzunehmen.

Allerdings zwingt uns weniger die Moderne selbst zu so einer Lebensweise, sondern schlichtweg das Faktum, dass jeder so lebt. Eigentlich dachte ich, dass so ein Tag ohne Telefon stressfrei wird. Nein, im Gegenteil. Alles wurde schwieriger, da ich mit mehr Variablen hantieren musste.

Wenn hingegen alle Mobilgeräte und alle Computer von einen Tag auf den anderen ausfallen würden, dann könnte der Durchschnittsbürger von tatsächlicher Entspannung sprechen würde ich meinen. Man wäre nicht mehr in diesem Ausmaß zur Steigerung der Effizienz genötigt, sondern würde wieder, eher mittel- bis langfristig Uhrzeiten und Daten ausmachen, die leicht einzuhalten sind. Man müsste sich besser auf Strecken und Fahrpläne vorbereiten und ggf. für maches lieber zu viel verplanen, damit man nur selbst warten muss und dies nicht dem Gegenüber zumutet.

Jedoch… spreche ich eher für Leute, die wie ich jeden Tag ein neues Abenteuer erleben und manchmal nicht einmal wissen, wo sie in einer Stunde sein werden, geschweige denn in ein paar Wochen. Mir haben die Mittel und Wege der neuen Zeit somit sehr viel vereinfacht. Wer jedoch daheim bleibt kann mit seinem Smartphone immer noch Angry Birds spielen oder mit Klassenkameraden chatten, die ein paar Kilometer wegwohnen…

Veröffentlicht unter Mario Schwaiger, Oesterreich, Reiseinformation | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar